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Siemens-Sanierung: Innovationsoffensive statt Massenentlassungen?

05.08.2004

Der designierte Chef des neuen Siemens-Bereichs Communications, Lothar Pauly, hat es sich laut Presseberichten zum Ziel gesetzt, das Handy-Geschäft innerhalb der nächsten 18 Monate zu sanieren. Es gebe es noch etliche Baustellen, erklärte der ICM-Bereichsvorstand am Dienstag in München. Dazu zählten neben der Verbesserung der Software auch eine stärkere regionale Präsenz sowie eine zunehmende Fokussierung auf hochpreisige Modelle. Nachdem im abgelaufenen Dreimonatszeitraum noch ein Verlust von 88 Millionen Euro angefallen war, soll das Handy-Geschäft bereits im aktuellen Quartal wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Als Vorgabe für den neuen Geschäftsbereich Communications sehe er nach wie vor ein operatives Margenziel von acht bis elf Prozent, erklärte Pauly, so wie es noch vor den Krisenjahren 2001 bis 2003 ausgegeben worden sei. Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal 2003/04 steuerten die Sparten Festnetz- und Mobilfunksparte, die Anfang Oktober in dem neuen Konzernbereich aufgehen, fast ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Die Marge betrug jedoch gerade einmal drei Prozent.

Die höhere Rendite will der Siemens-Manager dabei nicht primär auf Kosten des Personals erreichen. "Kosten sparen können andere auch", erklärte Pauly, dem anhaltenden Preisdruck werde der neue Bereich jedoch künftig nur durch Innovationen standhalten.

Ganz ohne Stellenstreichungen wird die Fusion aber auch nicht vonstatten gehen, will man doch Synergien nutzen, die bei der Zusammenlegung der Verwaltung von ICN und ICM entstehen: Der 45-jährige hatte bereits einen Tag zuvor angekündigt, dass von den insgesamt rund 1600 Stellen in diesen Einheiten voraussichtlich wenige hundert wegfallen. Genauere Angaben könnten aber erst gemacht werden, wenn das Budget für den neuen Bereich im Herbst aufgestellt sei, erklärte der Topmanager. Insgesamt arbeiten in den beiden Siemens-Bereichen rund 60.000 Menschen. Pauly betonte, dass Siemens seine "Breite und Größe" in dem Bereich nun in Stärke umwandeln müsse. Als einziges Unternehmen biete der Münchener Konzern die "volle Breite" des Telekommunikations-Portfolios. (mb)