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Siebel und Microsoft werden enge Partner

22.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft und Siebel Systems haben eine langfristige Entwicklungs- und Vertriebspartnerschaft besiegelt. Ziel ist es, die CRM-Software (Customer Relationship Management) von Siebel mit Hilfe der Integrationsstrategie "Universal Application Network" (UAN) auf Microsofts .Net-Framework sowie dessen "Biztalk"-Server und "Office"-Produkte abzustimmen.

Die langjährigen Technologiepartner Siebel Systems und Microsoft wollen ihre Produkte enger aufeinander abstimmen, gegenseitig vermarkten sowie gemeinsame Kunden künftig zusammen betreuen. Auf der Kundenkonferenz von Siebel in Los Angeles erklärte hierzu Tom Siebel, Firmengründer und Chief Executive Officer (CEO), dass es darum gehe, die Siebel-Lösungen für Customer Relationsship Management für das .Net-Framework von Microsoft zu optimieren und zu zertifizieren. In den kommenden Jahren wolle das Unternehmen rund 250 Millionen Dollar in die Anpassung von Software und Marketing stecken. Microsoft werde ebenfalls investieren, Firmenvertreter wollten aber keine Zahlen nennen.

Konkret soll sich Microsofts Enterprise-Server Biztalk künftig als Plattform für die prozess- und Web-Services-basierende Anwendungsintegration der Siebel-Lösungen nutzen lassen. Microsoft wird hierzu den von Siebel auf der Veranstaltung offiziell freigegebenen Integrationsansatz Universal Application Network (UAN) in Biztalk unterstützen. UAN umfasst eine Bibliothek praxiserprobter, mit Hilfe des Web-Services-Standards "Business Process Execution Language" definierter Geschäftsprozesse, mit denen sich Abläufe zwischen den Siebel-Produkten und externen Anwendungen abbilden lassen. Die Design-Werkzeuge zum Beearbeiten von Prozessen sowie die Integrationsplattform für deren Implementierung und Steuerung stellen hingegen Spezialisten wie IBM/Crossworlds, Webmethods, Tibco, Vitria, Mercator, Bea Systems - und künftig nun auch Microsoft. Der Softwareriese aus Redmond will hierzu neben Biztalk auch seine Entwicklungsumgebung "Visual Studio .Net" an UAN anpassen.

Ein weiterer Aspekt der Kooperation betrifft die engere Integration der Siebel-Clients mit den Desktop- und Groupware-Produkten von Microsoft. So half Microsoft laut Uwe Ritter, Director Produkt-Marketing für Europa, den Nahen Osten und Afrika, bereits bei der Entwicklung des Web-Clients der CRM-Suite "Siebel 7" und deren "Siebel Smart Web Architecture". Laut Walter Seemayer, Leiter der Developer Group bei Microsoft, wird diese Zusammenarbeit bei den Benutzeroberflächen nun weitergeführt, so dass künftig Siebel-Daten über "Excel" oder "Outlook"/"Exchange" aufgerufen werden könnten. Zudem sei geplant, einen Zugriff auch über mobile Clients zu ermöglichen, die Microsofts neues Betriebssystem "Pocket PC Phone Edition" verwenden.

Beide Unternehmen betonten jedoch, dass die Kooperation nicht exklusiv sei. Laut Ritter plant Siebel weiterhin, die eigenen Produkte mit der Java 2 Enterprise Edition kompatibel zu machen. Die Zukunft liege aber in einer Integration über Web-Services und UAN. Das aktuelle Release 7.5 von Siebel biete hierzu nicht nur erste SOAP-Schnittstellen (Simple Object Access Protocol), sondern es seien bereits mehrere hundert UAN-Prozesse dokumentiert, von denen ein Teil direkt mit der Siebel-Software gekapselt sei. Ob ein Kunde für ihren Einsatz Biztalk oder einen anderen UAN-fähigen Integrations-Server einsetze, liege aber ganz in dessen Entscheidung.

Microsoft-Manager Seemayer wies zudem darauf hin, dass die Nähe zu Siebel kein Problem für die eigene CRM-Strategie sei. Vielmehr adressiere sein Unternehmen mit den noch nicht verfügbaren CRM-Produkten kleine und mittlere Unternehmen, während Siebel für Microsoft der Enterprise-CRM-Hersteller erster Wahl sei. Eine Kapitalverflechtung zwischen den Konzernen, wie sie im Vorfeld der Konferenz manche Analysten und Wirtschaftszeitungen für möglich gehalten hatten, ist laut Seemayer hingegen nicht geplant. (as)