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SCO nennt Linux-Lizenzpreis

06.08.2003
Von Firmen, die Linux ohne spätere Klage von SCO nutzen wollen, verlangt die Firma knapp 1400 Dollar pro Server-CPU. Das wird kaum ein Anwender zahlen, solange die Rechtslage unklar ist.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SCO Group hat gestern ihre "Intellectual Property License for Linux" veröffentlicht, mit der sich Unternehmen von rechtlichen Schritten gegen ihre Nutzung des populären Open-Source-Betriebssystems freikaufen können sollen. Die Lizenz gestattet die Nutzung von Linux in binärer Form, die kompatibel zur GNU General Public License (GPL) ist, unter der viele Open-Source-Programme verteilt werden. SCO verlangt dafür bis Mitte Oktober einen "Einführungspreis" von 699 Dollar pro Server-CPU und danach 1399 Dollar je Prozessor (für eine Desktop-CPU kostet die SCO-Lizenz 199 Dollar).

Zum Vergleich: Suse nimmt für seinen Enterprise Server 8 unabhängig von der CPU-Zahl 749 Dollar pro Server, Red Hat verlangt für sein Linux ES Standard Edition 799 Dollar, für Linux AS Standard Edition 1499 und für Linux AS Premium Edition 2499 Dollar (abhängig von CPU-Zahl und Support-Dauer). Im Vergleich bewertet SCO also seine mit Linux vermeintlich verletzte Intellectual Property genauso hoch oder höher wie den Rest von Linux - worüber man sicher streiten kann, genauso wie man unterstellen kann, dass Suse und Red Hat Linux unterbewerten.

Auf jeden Fall langt SCO mit der Intellectual Property License ordentlich hin - was auch ein Vergleich zur hauseigenen "Unixware" verdeutlicht. Diese kostet beim Reseller CDW laut "Computerwire" 609 Dollar für einen Uniprozessor-Server mit einem User. Weitere 25 User gibt es für 916 Dollar, eine Lizenz für 100 Nutzer schlägt mit 3759 Dollar zu Buche. Jede weitere CPU kostet zudem 1183 Dollar. Für einen Vier-Wege-Server mit 25 Usern werden somit 5074 Dollar fällig - die IP-License für Unix auf der gleichen Maschine ist mit 5600 Dollar (ab Mitte Oktober) teurer. Für 3999 Dollar bekommt man sogar ein Bundle aus Vier-Wege-Server mit Unixware 7.1.3 Enterprise Edition für 50 User.

Bei solchen Preisen wird es SCO alles andere als leicht haben, von den geschätzt Zehn- bis Hunderttausenden Anwendern, die Linux mit Kernel ab 2.4 auf ebenfalls geschätzt 2,5 Millionen Servern weltweit installiert haben, Lizenzgebühren einzutreiben - zumindest nicht, solange nicht vor den mit der Angelegenheit befassten Gerichten in Utah und Delaware Entscheidungen gefallen sind. Für den IBM-Prozess in Utah ist der 11. April 2005 als Prozessbeginn angesetzt, das Red-Hat-Verfahren in Delaware wird einige Monate später beginnen. Bis dahin kann noch viel passieren (und wird es vermutlich auch).

Erste Antwort auf die Red-Hat-Klage

Sco hat gestern außerdem in personam Darl McBride, President und CEO (Chief Executive Officer), und Chris Sontag, Senior Vice President und General Manager der IP-Unit SCOsource, im Rahmen einer Telefonkonferenz - und nicht etwa auf der Linuxworld Expo, wo beide vermutlich zumindest verbal gesteinigt worden wären - eine Stellungnahme zur Klage von Red Hat abgegeben. "Die Klage unterstreicht, was wir schon die ganze Zeit sagen", erklärte McBride. "Die Linux-Entwickler sind entweder nicht willens oder nicht dazu in der Lage, ihren Code zu prüfen." Der Community-Entwicklungsprozess sei durch die Attitüde "Frag nicht, sag nichts" gekennzeichnet.

McBride sagte anschließend, Red Hats Linux-Implementierung enthalte unlizenzierten Unix-Code und abgeleitete Werke aus dem Eigentum von SCO. Den inzwischen mehr als 100 Experten unter NDA (Non-Disclosure Agreement) gezeigten Code können SCO aber wie gehabt nicht öffentlich ins Netz stellen, weil es damit gegen die beim Versuch, sein Copyright zu schützen, gebührende Sorgfalt verstoßen würde. "Bei den Leuten, denen wir den Code zeigen, liegt die Trefferquote bei fast 100 Prozent. Sie stimmen zu, dass es hier ein Problem gibt", so McBride weiter.

SCO habe Red Hats Klage einer vorläufigen Prüfung unterzogen und untersuche derzeit mögliche Optionen, darunter einen Antrag auf Abweisung oder eine Gegenklage. Für Red Hats Open Source Now Fund hatte McBride nur Hohn und Spott übrig. SCO habe schließlich niemals Open-Source-Entwickler belangen wollen, sondern sich immer auf Unternehmen beschränkt, die solche Entwickler beschäftigen. Es sei nach IBM nun auch Red Hat, das die juristischen Probleme von sich selbst auf seine Kunden verlagere. "IBM sichert seinen Kunden keine Straflosigkeit zu, und Red Hat tut jetzt dasselbe", so McBride. "Sie verspotten uns, wir sollten doch die Endnutzer verklagen. Sie haben auf die Rücken ihrer Kunden eine Linux-Haftungszielscheibe geheftet." Das sei es zwar nicht, was SCO gewollt habe - aber bitte, wenn es nicht anders gehe, dann eben so. (tc)