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SAP gibt Andersen den Laufpass

03.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP AG hat ihrem bisherigen Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen nun doch gekündigt und KPMG mit der Nachfolge beauftragt. Das gab die Walldorfer Softwareschmiede am heutigen Freitagmorgen auf ihrer Hauptversammlung in Mannheim vor rund 5500 Aktionären bekannt. Dabei hatte SAP Andersen anfangs noch die Treue gehalten, als den Auditoren aufgrund ihrer skandalösen Verwicklung in die Enron-Pleite scharenweise die Kunden davonliefen. SAP-Aufsichtsrat Dietmar Hopp erklärte, dass man sich gegen Andersen entschieden habe, weil sich die Gesellschaft in Deutschland künftig mit Ernst & Young und nicht mit KPMG zusammenschließen wolle. Die internationale Präsenz von Andersen sei damit stärker zersplittert als ursprünglich erwartet.

Mit dem Absprung von SAP verliert Andersen seinen einzigen Kunden unter den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft war im Zusammenhang mit dem Konkurs des US-Energiekonzerns Enron in den Verdacht von Interessenskonflikten und der Buchmanipulation geraten. Ganz unverdächtig sind jedoch auch die Auditoren von KPMG nicht: Die Gesellschaft, deren Name mit den Bilanzierungstricks von Xerox, Comroad und der Phenomedia AG ("Moorhuhn") verknüpft ist, gab erst vor kurzem bekannt, sämtliche Testate, die sie für Unternehmen am Neuen Markt ausgestellt hatte, noch einmal zu überprüfen (Computerwoche online berichtete).

Plattner hat keine Angst vor Microsoft

Auf der heutigen Hauptversammlung ging SAP-Vorstandschef Hasso Plattner zudem auf die derzeit kursierenden Gerüchte die geplante Übernahme von Navision durch Microsoft ein. Die Börse hatte daraufhin einen Kursrutsch bei SAP ausgelöst, weil sich die Konkurrenzsituation im Mittelstandsgeschäft dramatisch verschärfen dürfte. "Wir sind gut gerüstet", erklärte Plattner. Offenbar wolle Microsoft mit diesem Schritt seine Produktpalette im Bereich betriebswirtschaflicher Software ausbauen. Plattner hält eine solche Übernahme kurz nach dem Kauf von Great Plains in den USA für taktisch falsch. Es sei zweifelhaft, ob die Produkte des dänischen ERP-Anbieters (Enterprise Resource Planning) mit denen von Microsoft zusammenpassten. SAP, bisher vorwiegend im Großkundengeschäft erfolgreich, hatte erst kürzlich durch den Zukauf der

israelischen Softwareschmiede TopManage seine Strategie für den Mittelstand offenbart.

Ferner bekräftigte Henning Kagermann, Co-Vorstandsvorsitzender der SAP, die früheren Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Man wolle den Umsatz nach wie vor um 15 Prozent steigern und die operative Gewinnmarge um ein Prozent auf 21 Prozent erhöhen. Zwar rechnet Kagermann mit einer weltweiten Konjunkturbelebung, stuft dieses Jahr jedoch erneut als "herausfordernd" ein. Der Umsatz mit Softwarelizenzen werde wohl erst mit einigen Monaten Verzögerung wieder anziehen.

SAP wird auf der heutigen Aktionärsversammlung ferner zwei neue Aufsichtsratsmitglieder vorschlagen: Helmut Mehdorn, Chef der Deutschen Bahn, sowie August-Wilhelm Scheer, Gründer des Saarbrücker Software- und Beratungshauses IDS Scheer. Insbesondere Scheers Nominierung ist umstritten, weil SAP einen fünfprozentigen Aktienanteil an IDS hält. Anleger fürchten, die Neutralität des Aufsichtsratsmitglieds könne gefährdet sein. (ka)