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Rambus-Skandal: Intel düpiert PC-Hersteller

24.09.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Stellen Sie sich vor, Sie wären PC-Hersteller und hätten bereits Hunderte oder gar Tausende Maschinen gebaut, die mit Intels neuem "820"-Chipsatz (offizielles Debüt: 27. September) und dem neuen superschnellen Rambus-Arbeitsspeicher bestückt werden sollen. Ein paar Tage vor dem Stichtag erfahren Sie dann von Intel, daß Ihre PCs nicht wie zuvor verlautbart drei, sondern nur noch zwei Steckplätze für Speicherchips besitzen dürfen. Ein Alptraum? Glaubt man US-Presseberichten, wohl eher Realität.

Intel hat demnach bereits eingeräumt, daß Probleme bei der technisch ausgesprochen anspruchsvollen Rambus-Architektur für die neue Direktive verantwortlich sind. Die Folge: Alle Motherboards bereits teilassemblierter Rambus-Maschinen müssen ausgebaut (sie sind wertlos) und durch neue ersetzt werden, die der modifizierten Spezifikation entsprechen. Andernfalls drohen Datenverluste auf dem Weg zwischen Arbeitsspeicher und CPU - sogar dann, wenn der von Intel plötzlich nicht mehr unterstützte dritte Slot einfach leer bleibt. Die resultierenden Schäden lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Peter Glaskowsky von Microdesign Resources befürchtet aber, daß Hunderttausende Computer betroffen sind. "Das wird sehr, sehr teuer."

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß sich mit nur zwei Speicherbausteinen der Arbeitsspeicher auf maximal 512 MB ausbauen läßt - konventionelle PCs bieten teilweise den doppelten Platz. Das aktuell von Intel geforderte Design stellt im Prinzip nur eine Interims-Lösung dar, spätere Varianten sollen dann ebenfalls bis zu 1 GB Hauptspeicher bieten.