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Psinet im Börsensturzflug

20.03.2001
"Unsere Stammaktien werden vielleicht wertlos sein"

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Aktie des defizitären Internet-Service-Providers (ISP) Psinet brach am gestrigen Montag um knapp 74 Prozent auf 19 Cent ein, nachdem die Company eine Restrukturierung ihrer Schulden von rund 3,4 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Diese Aufgabe soll die Investment-Gesellschaft Dresdner Kleinwort Wasserstein mitübernehmen. Psinet warnte jedoch davor, dass "die Stammaktien der Firma wahrscheinlich keinen Wert mehr haben werden", selbst wenn die Restrukturierung erfolgreich sein sollte.

Zudem ernannte Psinet Harry Hobbs zum neuen President und Chief Operating Officer - letztere Position war ein Jahr lang unbesetzt. Der Manager war zuvor Executive Vice President für das internationale Geschäft. James Cragg, Executive Vice President für das Nordamerika-Geschäft, verließ das US-Unternehmen.

Anleger hatten gehofft, dass sich für Psinet ein Käufer finden würde. Diese Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Stattdessen verkaufte der ISP selbst Anteile an anderen Unternehmen und in der vergangenen Woche seine Einheit für E-Commerce- und Kreditkarten-Transaktionen. Diese ging allerdings für nur 285 Millionen Dollar über den Tisch. Im Jahr 1999 hatte Psinet selbst noch 435 Millionen Dollar mehr für das Geschäft berappen müssen.

Einige Analysten rechnen nun damit, dass Psinet Gläubigerschutz beantragen könnte, da die Schulden den Wert der Firma übersteigen. Marktbeobachter rechnen nach First Call/Thomson Financial im vierten Fiskalquartal des Unternehmens mit einem Verlust von 1,06 Dollar je Aktie. Das Minus für das gesamte Geschäftsjahr soll bei 5,07 Dollar pro Anteilschein liegen.