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Pixar trennt sich von Disney

30.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das, was manche Beobachter als die erfolgreichste Partnerschaft Hollywoods sahen, hat ein überraschendes Ende gefunden: Pixar Animation Studios, zweites Standbein von Apple-Chef Steve Jobs, hat die Verhandlungen mit Disney über die Fortsetzung der beiderseitigen Vertriebspartnerschaft erfolglos abgebrochen. Das ist ein herber Rückschlag für Disney-Chef Michael Eisner, dessen Firma zuletzt mit Pixars Erfolgsstreifen - "Toy Story", "Monsters, Inc." und zuletzt "Find Nemo" - mehr verdient hatte als mit den eigenen Zeichentrickfilmen. Branchenkenner vermuten, dass nicht zuletzt das gespannte persönliche Verhältnis zwischen Jobs und Eisner Schuld daran ist, dass Pixar nun eigene Wege geht.

Nach dem enormen Erfolg von "Findet Nemo" kann Pixar beruhigt in die Verhandlungen mit potenziellen neuen Partnern gehen. In die Schlange vor Pixars Tür dürften sich unter anderem Warner Bros. (Time Warner), Twentieth Century Fox (News Corp.), Paramount (Viacom), Sony Pictures Entertainment (Sony) sowie Metro-Goldwyn-Mayer einreihen. Die Trennung von Disney erfolgt allerdings erst im Jahr 2006 - bis dahin liefert Pixar noch zwei Filme ab, nämlich "The Incredibles" (später in diesem Jahr) und "Cars" im Jahr 2005.

Im Rahmen des bestehenden Vertrags teilten sich die Jobs-Firma und Disney die Gewinne aus der Vermarktung der Pixar-Filme (nach Abzug einer Distributionspauschale an Disney). Jobs hatte offenbar aushandeln wollen, dass Disney künftig die kompletten Produktionskosten der Pixar-Filme übernehmen sollte, was Disneys Anteil am Gewinn erheblich reduziert hätte. Dies Ansinnen war aus Sicht von Disneys Chief Financial Officer unaktzeptabel. "Das hätte uns Hunderte von Millionen Dollar gekostet, die uns bereits vertraglich zustehen", erklärte Tom Staggs.

Disney könnte allerdings trotz der Trennung der Sache noch etwas Gutes abgewinnen - laut Vertrag hat es nämlich das Recht dazu, Fortsetzungen der gemeinsam vermarkteten Filme zu "drehen". Nach dem Erfolg des Pixar-eigenen "Toy Story 2" hatte Disney mehrfach auf solche gedrängt. Jobs lehnte dies stets vehement ab, und Disney fügte sich, um den Pixar-Chef nicht zu vergrätzen. Nachdem man nun getrennter Wege geht, ist es laut "Wall Street Journal" allerdings wahrscheinlich, dass entsprechende Projekte grünes Licht erhalten. (tc)