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Peoplesoft verlängert Rückzahlungsgarantie bis Jahresende

20.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, wird Peoplesoft trotz einer drohenden Klage die Laufzeit seines "Customer Assurance Program" bis Jahresende verlängern. Peoplesoft hatte dieses Kundenschutzprogramm kurz nach dem ersten Übernahmeangebot von Oracle im Juni 2003 eingeführt. Darin versprach der ERP-Anbieter den Käufern seiner Software eine Entschädigung in Höhe des zwei- bis fünffachen Kaufpreises, falls das Unternehmen innerhalb zweier Jahre übernommen und anschließend bestimmte Bedingungen nicht erfüllt würden.

Peoplesofts Ziel des Programms ist es, das Risiko eines Besitzerwechsels für die Kunden zu minimieren und gleichzeitig Oracle die feindliche Übernahme so schwer und teuer wie möglich zu machen. Mit Erfolg: Laut SEC-Mitteilung summierten sich die somit entstehenden Verbindlichkeiten bis Ende September auf 807 Millionen Dollar. Wegen der dabei anfallenden Zusatzkosten denkt Oracle bereits an, sein 3,7 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot aus wirtschaftlichen Gründen zurückzunehmen. Dies verärgert wiederum verschiedene Peoplesoft-Aktionäre, die der Fusion positiv gegenüberstehen. Die Anleger versuchen nun, Peoplesoft gerichtlich dazu zu zwingen, seine Rückzahlungsgarantie aufzugeben (Computerwoche online berichtete).

Immerhin hat Peoplesoft die Bedingungen in der neuen Version etwas entschärft: So treten die Rückzahlungsverpflichtungen nun erst dann in Kraft, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse im Peoplesoft-Board durch eine Akquisition des Unternehmens verschieben. Bislang war es unerheblich, ob diese Veränderung durch eine Übernahme oder eine Abstimmung der Aktionäre zustande gekommen wäre.

Außerdem muss Oracle nun erst dann zahlen, wenn es - nach erfolgreicher Akquisition - den Support für die Peoplesoft-Lösungen innerhalb der nächsten vier Jahre eingestellt. Bei verspätetem Erscheinen von Produkt-Updates oder rückläufigem Forschungsetat gehen die Anwender jedoch leer aus. (mb)