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Peoplesoft verlängert Kundenschutzprogramm

15.04.2004

Die kalifornische Softwareschmiede Peoplesoft hat ihre umstrittene Geld-zurück-Garantie für Neukunden nun doch bis zum 30. Juni verlängert. Der ERP-Anbieter hatte dieses Kundenschutzprogramm kurz nach dem ersten Übernahmeangebot von Oracle im Juni 2003 eingeführt und anschließend mehrmals verlängert. Ende März war es jedoch sang- und klanglos ausgelaufen. Damals wurde gemutmaßt, die Company wiege sich in Sicherheit, nachdem sowohl das US-Justizministerium als auch die EU-Kommission Vorbehalte gegen die Übernahmepläne des mächtigen Konkurrenten geäußert haben (Computerwoche.de berichtete).

Offenbar hat sich diese Zuversicht aber im Markt noch nicht so weit ausgebreitet. So gab Peoplesoft als Begründung für die Wiedereinsetzung des umstrittenen Programms an, man reagiere damit auf die anhaltenden Bedenken potenzieller Neukunden. Gleichzeitig werde damit der Shareholder Value geschützt, so Unternehmenssprecherin Kara Wilson laut Presseberichten. Das Programm könne jedoch bereits vor dem 30. Juni enden, falls Oracle sein 9,4 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot schon früher zurückziehe.

Im Rahmen des "Customer Assurance Program" (CAP) erhalten die Käufer von Peoplesoft-Software eine Entschädigung in Höhe des zwei- bis fünffachen Kaufpreises, sofern das Unternehmen innerhalb zweier Jahre übernommen und anschließend der Support der Peoplesoft-Produkte eingestellt werde. Ziel des Programms ist es, für die Kunden das Risiko eines Besitzerwechsels zu minimieren und gleichzeitig Oracle die feindliche Übernahme so schwer und teuer wie möglich zu machen. Die potenziellen Schadensersatzansprüche an den Datenbankriesen waren bis zum Jahreswechsel 2003/04 schon auf 1,56 Milliarden Dollar angewachsen.

Oracle versucht bereits seit vergangenem Jahr vor dem Delaware Court of Chancery, Peoplesoft zur Einstellung der Rückzahlungsgarantie zu zwingen. Zusätzlich reichte der Konzern vor zwei Wochen eine Schadensersatzklage vor dem Alameda County Superior Court ein. Darin erhob Oracle neue Anschuldigungen bezüglich des Programms und weiterer Taktiken, mit denen Peoplesoft die Übernahmepläne durchkreuzen will. Der Konkurrent habe CAP genutzt, so einer der Vorwürfe, um seine Umsätze aufzublähen, die Anleger zu täuschen und die Kosten der Akquisition in die Höhe zu treiben. Zusätzlich mache Peoplesoft Oracle und anderen Wettbewerbern Kunden abspenstig, indem es ihnen spezielle CAP-Deals anbiete. Neben der Leistung von Schadensersatz fordert Oracle, dass Peoplesoft das Programm zurückzieht und in seinen früheren Bilanzen Rückstellungen für die zugesicherten Garantieleistungen vornimmt.

Peoplesoft erklärte zu den aktuellen Vorwürfen, diese seien genauso unbegründet wie frühere. Es handle sich dabei lediglich um neue Theorien, die Oracle neun Monate nach der Einführung des Programms in den Sinn gekommen seien. (mb)