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Peoplesoft standardisiert Software auf IBMs Websphere

22.09.2004
Durch die Integration seiner Business-Software mit IBMs Infrastruktur-Portfolio positioniert sich Peoplesoft stärker gegen SAP und "Netweaver" und dreht gleichzeitig eine weitere "Giftpille" gegen Oracle.

Auf der Konferenz "Peoplesoft Connect 2004" in San Francisco hat der ERP-Hersteller eine Kooperation mit IBM verkündet, deren Volumen beide Firmen im Milliarden-Dollar-Bereich ansetzen. Demnach wird Peoplesoft seine Business-Software an IBMs Infrastrukturplattform "Websphere" anpassen. Ferner wollen beide Unternehmen gemeinsam vorintegrierte Branchenlösungen auf den Markt bringen. Zudem wird Poeplesoft Websphere-Komponenten vertreiben.

Im Detail sollen die Peoplesoft-Programme mit den Websphere-Produkten "Portal", "Business Integration", "Application Server" und "Studio Application Developer" verknüpft werden. Zwar verfügt Peoplesoft über eigene Integrationsfunktionen ("Appconnect"), doch reichen diese bei weitem nicht an den Funktionsumfang der IBM-Plattform heran.

Mit dem Deal fällt Peoplesoft mit Hilfe der IBM eine Infrastrukturplattform zu, die mit SAPs "Netweaver" konkurriert. Solche Plattformen sind für ERP-Umgebungen von großer Bedeutung, da Anwender auf diese Weise Software unterschiedlicher Hersteller verbinden, anwendungsübergreifende Geschäftsprozesse gestalten sowie Web-Services realisieren können. Im Gegensatz zu den Walldorfern hatte Peoplesoft bislang nicht viel in die Entwicklung eigener Integrations- und Ablaufumgebungen investiert und war gegenüber SAP ins Hintertreffen geraten. Mit der Kooperation möchte der ERP-Player nun Boden gut machen.

IBM wiederum kann auf diese Weise sein Geschäft mit Infrastrukturlösungen sowie Beratung und Dienstleistung ankurbeln. Gleichzeitig stärkt IBM seine Position als Anbieter von Infrastrukturlösungen, da mit Peoplesoft ein namhafter ERP-Hersteller Websphere als Standardplattform nutzt. Allerdings kooperiert IBM auf ähnliche Weise auch mit anderen Herstellern, die mit Peoplesoft konkurrieren, beispielsweise mit dem CRM-Spezialisten Siebel. Es ist IBMs Absicht, Websphere auch weiterhin als unabhängige Infrastruktur zu positionieren, weshalb der IT-Konzern keine exklusiven Vereinbarungen bezüglich Business-Software trifft. Peoplesoft und IBM arbeiteten schon zuvor zusammen. Beispielsweise unterstützen die ERP-Linien der 2003 von Peoplesoft übernommenen Firma J.D. Edwards IBMs Websphere-Plattform beziehungsweise die "iSeries"-Server. Peoplesoft-Kunden nutzen die Software jedoch auch gemeinsam mit Infrastrukturtechnik von Microsoft oder Oracle.

Die Allianz mit IBM richtet sich auch gegen Oracle. Der Datenbankspezialist und ERP-Lieferant versucht, Peoplesoft zu schlucken. "Ich denke, Peoplesoft dreht damit eine Technik-Giftpille, um nicht vom Rivalen einverleibt zu werden", meint dazu Paul Hamerman, Analyst bei Forrester Research. Oracle entwickelt Datenbanken, Applikations-Server und Integrationsbausteine, die mit entsprechenden Produkten der IBM in Wettbewerb stehen. Sollte Oracle die Übernahme gelingen, würden die Kalifornier die Peoplesoft-Programme auf die Oracle-Plattform adaptieren. Derzeit unterstützen Peoplesofts ERP-Lösungen eine Reihe von Datenbanken, darunter die von IBM, Microsoft und Oracle.

Zu den geplanten Industrielösungen für Banken, Versicherungen und der Telekommunikationsbranche, die IBM und Peoplesoft gemeinsam vertreiben möchten, zählen "Customer Profitability Management" und "Integrated Risk Management" für Finanzinstitute. (fn)