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Pay-TV-Anbieter BskyB schenkt Kunden Breitbandanschluss

19.07.2006
Nachdem Internet-Provider Video- und anderen Multimedia-Content via DSL in die Wohnzimmer liefern wollen , steigt nun im Gegenzug der britische Pay-TV-Anbieter BskyB ins Triple-Play-Geschäft ein.

Unter dem Namen "Sky Broadband" stellt die Tochter des Medienkonzerns News Corp. ihren Sky-Digital-Kunden in Großbritannien ab August einen "Base"-Tarif mit 2 MBit/s Übertragungsgeschwindigkeit und einem Datenvolumen von 2 GByte monatlich samt Hardware gratis zur Verfügung. Mehr Bandbreite respektive Datenvolumen sind gegen Aufpreis erhältlich, ebenso eine Telefonie-Flatrate, für die umgerechnet knapp 7,30 Euro pro Monat berechnet werden. Neukunden von BskyB, erhalten für einen Einführungspreis von nicht einmal 22 Euro im Monat den digitalen Fernsehservice inklusive Breitband-Internet-Zugang.

Grund für das aggressive Angebot sind die Versuche von BT Group, NTL Group, France-Télécom-Tochter Orange und Carphone Warehouse, sich über Breitbanddienste ein Stück vom Pay-TV-Kuchen zu sichern. Für BskyB bedeutet das eine akute Gefahr: Rund die Hälfte der acht Millionen Abonnenten verfügen über einen Breitbandzugang und wären in der Lage, das Angebot der TK-Konkurrenz - insbesondere des Erzrivalen BT - zu empfangen.

Durch die Verquickung des eigenen Angebots mit DSL und Telefonie hofft das Unternehmen, eine mögliche Abwanderungswelle zu verhindern und bis 2010 drei Millionen Abonnenten für die neuen Dienste zu gewinnen. Von dieser Größenordnung an, so die Kalkulation des führenden Pay-TV-Anbieters in Europa, würden sich die geplante Investition von mehr als 580 Millionen Euro in das Breitbandgeschäft rechnen und der Service erste Gewinne abwerfen - selbst wenn ein Großteil der Kunden (zunächst) das Gratis-DSL-Angebot wählt. James Murdoch, Sohn des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch und BskyB-CEO, schätzt nämlich, dass sich die Hälfte der Abonnenten auch für die Telefonie-Flatrate entscheidet. Zusammen mit Upgrades auf eine höhere Bandbreite und der Buchung weiterer Dienste soll sich das Angebot so über kurz oder lang rechnen.

Die Infrastruktur für den Breitband-Dienst hat BskyB bereits Ende 2005 mit der Übernahme von Easynet erworben. Presseberichten zufolge ist der Pay-TV-Anbieter auch am Kauf der britischen AOL-Aktivitäten interessiert, wenn auch nicht zu jedem Preis. Marktbeobachter schätzen den Wert der AOL-Sparte mit 1,3 Millionen Breitband-Kunden auf rund 870 Millionen Euro. (mb)