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Pandesic macht dicht

31.07.2000
Joint Venture von SAP/Intel ohne Aussicht auf Gewinn

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Pandesic LLC, das im kalifornischen Sunnyvale beheimatete Joint Venture von SAP und Intel, schließt seine Pforten. Man sehe "auf Grund unerwartet geringer Nachfrage nach Business-to-Consumer-Lösungen für den elektronischen Handel" mittelfristig keine Möglichkeit, Geld zu verdienen, erklärte Unternehmenssprecherin Paula Stout in einer ersten Stellungnahme.

Pandesic wird ab sofort keine neuen Abschlüsse mehr tätigen - ohnehin konnte die Company bis dato nur rund 100 Kunden für ihr ASP-Angebot (Application Service Provider) gewinnen, darunter den US-Ableger von Adidas-Salomon, Fila sowie die Handelskette Children´s Place. Der installierten Basis möchte man beim Umstieg auf alternative Lösungen behilflich sein. Gemeinsam mit SAP will Pandesic beispielsweise prüfen, ob ein Umstieg auf deren neue Internet-Software "Mysap.com" in Frage kommt.

Pandesic beschäftigt nach eigenen Angaben gegenwärtig rund 400 Mitarbeiter in den USA, Großbritannien und Japan. Diese sollen eine Abfindung und Hilfe bei der Suche nach einem Job erhalten. Einige strategisch wichtige Angestellte sollen über ein spezielles Bleibeangebot zumindest so lange im Unternehmen gehalten werden, bis die installierte Kundenbasis abgewickelt ist. Die bisherige Executive Vice President Catherine Yetts übernimmt für die Übergangsphase das Amt des Chief Executive Officer (CEO) und tritt damit die Nachfolge von Pandesic-Mitgründer Harold Hughes an, der in der vergangenen Woche zusammen mit President Pete Wolcott zurückgetreten war. Hughes ist übrigens bereits der zweite CEO, der das Handtuch wirft: Mitte 1998 hatte der damalige Pandesic-Chef Bryan Plug sein Amt niedergelegt, weil die geplante Europa-Expansion um sechs Monate verschoben wurde. Ed Harley, der andere Firmengründer, bleibt weiterhin Chief Operating Officer (COO).

Der von SAP und Intel beschickte Vorstand hatte nach Aussagen eines Sprechers der Walldorfer Softwareschmiede in den vergangenen Monaten Pandesics Entwicklungsmöglichkeiten evaluiert und war dabei zu dem Schluss gekommen, "dass der Weg zur Profitabilität weit länger ist als vertretbar". Wann ursprünglich der Break Even geplant war, ist nicht bekannt. Ferner waren laut "Wall Street Journal" weder SAP noch Intel bereit, ihre bisherigen Investitionen in Pandesic offen zu legen. Beide Unternehmen erwarten keine negativen Einflüsse auf ihre eigenen Bilanzen.

Pandesic war 1997 unter großem PR-Rummel aus der Taufe gehoben worden. Anfänglich offerierte das Unternehmen eine Kombination aus SAP-Software, Intel-Servern und Web-Site-Management, um Kunden einen schnellen Einstieg in den elektronischen Handel zu ermöglichen. Als weitere technische Partner holten SAP und Intel unter anderem Microsoft, Taxware, Cybercash, Citibank sowie den Hosting-Spezialisten Digex an Bord. Zu diesem Zeitpunkt war ASP noch ein absolutes Fremdwort und wenige Anbieter boten ein vergleichbares One-Stop-Shopping an. Das änderte sich jedoch rasch, so dass sich Pandesic gezwungen sah, auch B2B-Lösungen für Transaktionen mit Zulieferern und Partnern ins Portfolio zu integrieren. Noch im vergangen Monat hatte das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit den Beratern von PriceWaterhouse Coopers angekündigt, die in den kommenden drei Jahren Umsätze von einer Milliarde Dollar hätte generieren sollen (Computerwoche.de berichtete) .

Dave Boulanger von AMR Research in Boston zeigte sich wenig überrascht von dem Rückzug. "1997 war Pandesic ´Leading Edge´, aber der Markt hat sich seither enorm gewandelt", meint der Analyst. Auch wenn der Service der Company gut war und immer noch sei, habe Pandesic doch einen entscheidenden Fehler gemacht, nämlich keine stärker spezialisierten vertikalen Lösungen für interessante Zielmärkte wie Telekommunikation oder Handel anzubieten.