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Online-Leser sind konzentrierter bei der Sache

30.03.2007
Nach einer Untersuchung des Poynter-Instituts, einer Journalistenschule in Florida, sind Menschen, die sich ihre Informationen aus dem Internet holen, aufmerksamer als Print-Leser.

Im Rahmen der Studie "EyeTrack07" untersuchten die angehenden Journalisten das Verhältnis zwischen wahrgenommenen und tatsächlich durchgelesenen Stellen auf Websites und in Print-Veröffentlichungen. Mit einem "Eye-Tracker" wurden die Verweilzeiten gemessen. Als Grundlage dienten knapp 600 Leser von vier US-Zeitungen. Laut Projektkoordinatorin Sara Quinn war es die erste größere Studie, die die unterschiedlichen Lesegewohnheiten von Print- und Online-Lesern untersuchte.

Die Ergebnisse überraschen: So widmeten sich Leser, die sich aus Print-Publikationen informierten, nur zu 62 Prozent den vorher überflogenen Texten. Online-Anwender lasen dagegen zu 77 Prozent die ausgewählten Nachrichten auch wirklich durch. Die Länge der Texte spielte dabei keine Rolle, wohl aber die Art der Aufmachung: Listen, Interviews und die mit begleitendem Bildmaterial versehenen Informationen stießen in beiden Medien auf größeres Interesse als reine Texte. Unterschiede gab es bei Überschriften und für sich allein stehenden Fotos, die nur im Print-Bereich schneller die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zogen. Die Online-Anwender tendierten dagegen eher zu Inhaltsverzeichnissen und kurzen Teaser-Texten.

Die weit verbreitete Annahme, Online-Leser hätten eine kürzere Konzentrationsspanne, wird durch die Untersuchung widerlegt. Quinn schlussfolgerte, dass lange Texte für Web und Print gleichermaßen geeignet seien. Weitere Einzelheiten, die die EyeTrack-Untersuchung hervorbrachte, will das Institut in den kommenden Wochen veröffentlichen. (sh)