Neue iPads und Programme

Neues iPad unterstützt Apple Pencil, Everyone Can Create

Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Neues iPad mit Apple Pencil und A10-Fusion-Chip, neue iWork-Suite und ein Curriculum "Everyone Can Create": Apple hält es kurz und knapp.

Apple räumt die virtuellen Regale in der Abteilung "iPad 9,7" frei und stellt neue Geräte ein. Für die meisten Apple-Kunden in aller Welt ist damit die Geschichte auch schnell erzählt: A10-Fusion-Chip, Unterstützung für Apple Pencil und Touch ID, drei Farben und ein auf 349 Euro gesenkter Einstiegspreis. Doch was Apple sonst noch zu erzählen hatte, passte bestens in den Rahmen des Veranstaltungsortes, einer Mittelschule in Chicago. Denn Bildungsthemen liegen Apple vermutlich nicht nur wegen der Markenbotschaft für Schüler, Studenten und Auszubildende auf dem Herzen. Nun aber der Reihe nach.

Neues iPad für den Bildungsbereich
Neues iPad für den Bildungsbereich
Foto: Apple

Apple macht Schule

Den Fokus auf Schule und Universität hatte Apple bereits in der Einladung angedeutet, die wie von einem Pencil auf iPad gemalt aussieht - und das vermutlich auch ist. Dieser Stil zieht sich durch die Präsentation, alle Folien, die auf die Bühne in Chicago projiziert werden, sind mit einem Apple Pencil auf einem iPad kalligraphiert.

Anfangs der Veranstaltung erklärte Tim Cook, warum man in Chicago für diesen Schulausflug sei. Die Stadt unterhalte ein vorbildliches Bildungssystem, nicht von ungefähr habe man sie auch als Partner für "Everyone Can Code" ausgesucht. Apple belässt es dabei nicht mit einem Curriculum und Swift Playgrounds, sondern setzt auch Personal vor Ort ein. So erzählt auf der Bühne eine Apple-Angestellte namens Cathleen Richardson, eine frühere Lehrerin, wie sie in Schulen geht und das Thema Programmieren Sechstklässlern und jüngeren Kindern nahe bringt. Doch nicht nur darum geht es, sondern generell um einen Einsatz der Technik im Bildungswesen. Bei einem dieser Projekte hat eine Klasse mit der Hilfe von iPads einen Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg befragt, diese Interviews werden demnächst Eingang in die Bibliothek des Kongresses finden.

Das iPad ist schon länger im Betrieb in Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, das ist also nichts Neues. Apple hat sich derzeit nur einer verschärften Konkurrenz zu erwehren, deshalb die Veranstaltung. Apples Senior Vice President Product Marketing Greg Joswiak erklärt, es gebe im App Store bereits 200.000 Apps für Bildungsangebote, die eine weit bessere Erfahrung bieten würden wie Browser-Anwendungen, die es für jede Plattform gebe - also auch der nicht erwähnten von Google Chrome, mit der Apple derzeit an US-Schulen konkurriert.

Neues iPad mit Touch ID und Apple Pencil

Apple geht auf der mit der Dauer von einer Stunde recht kompakt gehaltenen Veranstaltung dann aber sehr schnell in medias res und zeigt ein neues iPad mit 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale. Dieses unterstützt nun auch den Apple Pencil und die Touch ID soll besser geworden sein - Face ID dürfte dann den iPad Pro im Sommer oder Herbst vorbehalten sein. Einen neuen Apple Pencil gibt es nicht - wozu auch - dieser kostet nach wie vor 99 Euro extra.

Das neue iPad mit 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale und Pencil(-Unterstützung).
Das neue iPad mit 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale und Pencil(-Unterstützung).
Foto: Apple

Einige Daten der Hardware:

8-Megapixel-Rückkamera, FaceTime-HD-Kamera vorne, A10-Fusion-Chip (letztes Jahr war es noch ein A9), bis zu zehn Stunden Akkulaufzeit, die bereits erwähnte verbesserte Touch ID, bis zu 300 Mbps im LTE-Netz (hängt stark vom Provider ab), GPS, Beschleunigungssensoren, Gyroskop und Kompass eingebaut und eben den Apple-Pencil-Support.

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Was aber wirklich interessant ist: Der Preis. Für Endverbraucher - also jedermann - ist das neue iPad für 329 US-Dollar zu haben, Schulen zahlen nur 299 US-Dollar. In Deutschland bedeutet das einen Preis von 349 Euro (die Version mit LTE-Chip und eSIM kostet 479 Euro). Preise für Bildungseinrichtungen in Deutschland nennt Apple nicht, aber diese zahlen auch hier weniger. Schüler und Studenten bekommen nun aber 200 GB iCloud-Speicher gratis, alle anderen bleiben nach wie vor bei 5 GB. Da denken wir doch glatt über ein Zweit- und Drittstudium nach …

Hardware ist die eine Sache, wichtiger in dem Zusammenhang aber die Software. Und hier stellt Apple gleich einmal eine neue iWork-Suite für das iPad vor, die von der Apple-Pencil-Unterstützung profitieren wird. Denn in Pages, Numbers und Keynote kann man nun auch "von Hand" schreiben, Apple nennt die Funktion der handschriftlichen Anmerkungen "Smart Annotation". So wird das iPad und die darauf schon ab Werk installierte Software besser greifbar. Vor etwas mehr als sechs Jahren hatte Apple bereits mit dem iBooks Author für den Mac eine Möglichkeit geschaffen, Lehrbücher für das iPad zu gestalten, diese Software gibt es nun auch für iOS. Zumindest das iPad Pro hat ja nun durchaus das Potential, Notebooks zu ersetzen oder sogar Desktops. Das war 2012 noch lange nicht so.

Das neue iWork steht ab sofort zum Download zur Verfügung und auch eine neue Garageband-Fassung mit "Sounds für Studenten". Nun ja, die jungen Leute. Was wir damals während, neben und anstatt der Vorlesungen gehört haben, ist hier vermutlich unterrepräsentiert.

Software für die Verwaltung

So viel also erst einmal zu den Bedürfnissen für Schüler und Studenten, Lehrer und Professoren haben noch andere. Auch diesen wird Apple mit seinen heutigen Ankündigungen gerecht. Im Juni - also etwa zur WWDC - wird es eine Beta-Fassung von Classroom for Mac geben, eine Verwaltungsssoftware für die Schule und andere Bildungseinrichtungen. Classroom hat es schon für iOS gegeben, neu ist hingegen Schoolwork, eine Cloud basierte iOS-App für das Verteilen von Handouts an Schüler, Studenten und Kursteilnehmer sowie für das Protokollieren ihrer Lernerfolge. Aber auch auf Schoolwork muss man noch bis Juni warten. Das muss aber nicht die einzige Lösung für diese Problematik sein, Apple veröffentlicht mit ClassKit ein Framework, auf das Schoolwork aufbaut und das auch Dritte nutzen können. Eine WWDC-Ankündigung gewissermaßen also schon drei Monate vor der Entwicklerkonferenz.

Jeder kann programmieren - und nicht nur das

Nein, Programmieren kann nicht ein jeder. Aber jeder kann es lernen oder jede, es ist aber von Vorteil, wenn man jung ist. So setzt Apple bei der Ausbildung eben recht früh an, mit dem bereits erwähnten Swift Playgrounds, das Jungprogrammierern einen Einstieg bieten will. Swift, die ausgewachsene Fassung der 2014 als Open Source veröffentlichten Programmiersprache, ist derzeit die am schnellsten wachsende Programmiersprache, wie Apple hier auch wieder betont. Eine wesentliche Neuerung betrifft das Trendthema des Jahrzehnts: Mit Swift wird man nun auch einfacher AR-Anwendungen erstellen können.

Aber Apple geht weiter und stellt ein neues Curriculum vor: Everyone Can Create. Vier Gebiete für Kreative - von denen viele ja seit jeher auf Produkte von Apple schwören - hat Apple für sein Lehrwerk ausgemacht: Musik, Fotografie, Video und Malerei. Eine Preview auf das neue Programm gibt es heute, mehr Inhalte wird Apple nach und nach hinzufügen. Wobei wir als alte Gitarristen ja hier bezüglich einer der Säulen einwerfen müssen: Unterstützung durch digitale Technologie ist wunderbar, aber ohne stundenlanges Üben von Skalen, Akkorden, Licks und Riffen und dem intensiven Studium der Musiktheorie inklusive Gehörbildung wird das nix mit dem "Everyone Can Create" - zumindest nicht auf diesem Feld.

Aber vor allem sollen die Lehrmaterialien die Nutzung des Apple Pencil unterstützen. In den Apple Stores wird es in den nächsten Monaten diverse Kurse für Lehrer geben, in denen diese das Curriculum näher kennen lernen können.

Kurz, aber wichtig

Wie erwartet, war die Veranstaltung keine Keynote, wie wir sie von WWDC und anderen Gelegenheiten kennen. Apple fokussierte stark auf das Thema Bildung und platziert das neue iPad sowie einiges an Software und Services für dieses wichtige Marktsegment. Seit mehr als 40 Jahren sei man dem Thema verpflichtet, betont Apple-CEO Tim Cook nochmals zum Schluss, die Ankündigungen von Programmen und Geräten seien für Apple wichtig gewesen und man hoffe, dies erweise sich auch als wichtig für Schüler und Studenten im Land. Ein Video der Veranstaltung wird es in Kürze auf Apples Kanälen (Website, Podcast) zu sehen geben, das neue iPad ab jetzt zu kaufen. (Macwelt)