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Neue Chip-Prothese lässt Blinde teilweise wieder sehen

19.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Forscher der amerikanischen Sandia National Labs haben einen Chip entwickelt, der durch bestimmte Augenkrankheiten erblindete Menschen zumindest teilweise wieder sehen lässt. Helfen kann das Produkt bei Macular-Degeneration und Retinis Pigmentosa, wo lichtempfindliche Zellen auf der Netzhaut nicht mehr arbeiten, aber die übertragenden Nerven intakt bleiben.

Das von den Sandia-Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten entwickelte System besteht aus mehreren Komponenten. Eine als Brille montierte Kamera nimmt Bilder auf. Diese werden dann per Funk an einen speziell angefertigten Chip übertragen, der im Auge implantiert ist und die Sehnerven stimuliert. Seine Stromversorgung holt sich dieser Chip aus dem Funksignal, sodass Batterien oder externe Verkabelung überflüssig sind.

Mit vollwertigem Sehen hat die Prothese allerdings wenig zu tun - derzeit überträgt die Technik rund 1000 gelbstichige Pixel mit leichter Zeitverzögerung. "Unser Ziel ist, dass Blinde einmal wieder lesen, sich um Gegenstände im Haus bewegen und einfach Haushaltstätigkeiten erledigen können", erläutert Projektleiter Kurt Wessendorf.

Verschiedene technische Probleme gilt es allerding noch zu lösen - beispielsweise die ideale Wellenform zur Stimulierung der Nerven oder das vertäglichste Hüllenmaterial für das Chip-Implantat zu finden. 2004 soll das mit neun Millionen Dollar geförderte Projekt abgeschlossen sein und dann hoffentlich ein Bild ermöglichen, das scharf genug zum Lesen und Erkennen von Gesichtern ist. (tc)