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Nach dem Maut-Desaster rollen bei T-Systems Köpfe

12.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach den andauernden Querelen um die LKW-Maut ziehen die Verantwortlichen nun erste personelle Konsequenzen. So verlieren bei T-Systems mit Norbert Knoppik, Ex-Leiter der Service Line Systems Integration, und Hermann Caffier, Ex-Chef des Bereichs Industry Line Public & Healthcare, zwei Topmanager ihre Posten. Ferner taucht auch Chief Information Officer (CIO) Jürgen Kratz nicht mehr auf der Management-Liste von T-Systems auf. Sein Abgang wird jedoch nicht mit den Problemen des Maut-Projekts in Zusammenhang gebracht.

Ende Juli hatte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe beschlossen, das Maut-System erst im November scharf zu schalten. Ursprünglich sollten bereits ab September die Mauteinnahmen von jährlich rund 2,2 Milliarden Euro in den Staatssäckel fließen. Anhaltende Kritik von Seiten der Speditionsverbände sowie Gerüchte um die mangelhafte Technik hatten Stolpe zu einer zweimonatigen Testphase veranlasst. Das verantwortliche Konsortium Toll Collect, dem neben der Deutschen Telekom auch Daimler Chrysler und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute angehören, will bislang nichts von technischen Schwierigkeiten wissen. Dort gehen die Verantwortlichen weiter davon aus, bis Ende August ein funktionsfähiges System auf die Beine stellen zu

können. Auch die dafür notwendige Betriebserlaubnis des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), die Toll Collect in der letzten Augustwoche erwartet, sei nicht gefährdet, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. Anders lautende Berichte würden auf veralteten Informationen und Zwischenberichten beruhen, weist das Konsortium alle Kritik von sich. Insider berichten indes weiter von andauernden Problemen. Vor allem das zentrale Softwaresystem, für das T-Systems verantwortlich zeichnet, bekämen die Entwickler nicht in den Griff. Schwierigkeiten mit den Schnittstellen der SAP-basierten Infrastruktur würden den Ingenieuren nach wie vor Kopfschmerzen bereiten.

Keine Kopfschmerzen dürften nun Knoppik und Caffier mehr haben, die T-Systems-Chef Konrad Reiss offenbar in einem Hauruck-Verfahren aus ihren Sesseln kippte. Damit räumten die Verantwortlichen jedoch indirekt ein, dass es Probleme in diesem Bereich gibt, mutmaßen Insider. Ein Sprecher von T-Systems weist jedoch jeden Zusammenhang zwischen dem Umbau im Management-Zirkel und Problemen beim Mautprojekt zurück. Über die Gründe des Ausscheidens von Knoppik und Caffier könne er allerdings nichts sagen. Die Veränderungen im Management seien jedoch bereits am 21. Juli dieses Jahres beschlossen worden. Knoppiks Aufgaben wird vorerst Hans-Joachim Rudnick kommissarisch übernehmen, der auch die Industriekunden von T-Systems betreut. Es werde jedoch ein neuer Manager für den Bereich Systems Integration gesucht, heißt es von Seiten T-Systems. Berichte, Caffiers Position sei ersatzlos gestrichen, bewahrheiteten sich nicht. Den Bereich Industry Line Public &

Healthcare soll ab September der ehemalige GE-Compunet-Manager Christoph Martin Bellmer übernehmen. Ob dieser auf dem T-Systems-Schleudersitz erfolgreicher sein wird, als seine Vorgänger, bleibt abzuwarten. Caffier hielt sich gerade fünf Monate auf seinem Posten. Zuvor hatte der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner, der heute als Director Public Sector bei Microsoft arbeitet, die Sparte rund zwei Jahre geleitet. Ex-CIO Jürgen Kratz soll künftig den Bereich strategische Partnerschaften betreuen, erklärte der T-Systems-Sprecher. In dieser Position berichte er weiter direkt an Vorstandschef Reiss. Daher sei die Versetzung auch nicht als Degradierung zu verstehen. Für den Posten des CIO sei man momentan auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Kratz.(ba)