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Microsoft führt neue Unternehmenslizenzen ein

11.05.2001
Zum 1. Oktober ändert Microsoft seine Großkundenlizenz "Enterprise Agreement". 20 Prozent der Anwender müssen laut der Gates-Company mit steigenden Kosten rechnen - Gartner zufolge sind jedoch deutlich mehr und heftiger betroffen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nun ist es offiziell: Wie bereits Anfang der Woche berichtet, ändert Microsoft seine Großkundenlizenz "Enterprise Agreement". Die neue Regelung tritt ab 1. Oktober in Kraft und gilt für mehr Anwenderunternehmen als bislang - die "Einstiegsgrenze" wurde von 500 auf 250 PCs herabgesetzt.

Ein Enterprise Agreement gilt künftig drei Jahre lang und wird in jährlichen Raten bezahlt - für Microsoft ein kontinuierlicher Umsatzstrom, Anwender können ihre Softwaremiete eher als "operative Kosten" denn als Abschreibungsobjekt betrachten. Nach Ende der Vertragslaufzeit können Anwender das Agreement entweder verlängern oder sich für das 1,5-fache der letzten Jahresrate "auskaufen" - sie erhalten dann eine volle Lizenz, aber keine Updates und neuen Versionen mehr. Alternativ ist auch eine echtes Software-Abonnement möglich. Hier kassiert Microsoft auf Basis der PC-Anzahl eine jährliche Gebühr, der Anwender erhält aber lediglich das Recht zur Nutzung der Software für die Dauer der Vertragslaufzeit. Kündigt er die "Enterprise Agreement Subscription", hat er keine Software mehr, die er weiternutzen darf.

Hand in Hand mit der veränderten Lizenz geht der neue Service "Software Assurance". Dieser ersetzt die bisherige, teils verwirrende Vielfalt an Aktualisierungsoptionen ("Version Upgrades", "Product Upgrades", "Language Upgrades", "Upgrade Advantage") und ist auch für Nutzer der kleineren "Select"- und "Open"-Lizenzierungsmodelle erhältlich. Kunden zahlen dabei einen bestimmten Prozentsatz ihrer jährlichen Lizenzkosten - 29 Prozent für Desktop- und 25 Prozent für Server-Produkte - und erhalten dafür stets die aktuellsten Versionen der von ihnen genutzten Produkte (zahlen müssen sie natürlich auch dann, wenn es gar keine Updates gibt). Ab dem Jahr 2003 ist die Assurance-Mitgliedschaft Voraussetzung für die Teilnahme am "Premier"-Support.

Für Unternehmen, die ohnehin stets die neuesten Releases anschaffen, soll sich an den Softwarekosten durch die neue Regelung nichts ändern. Für den Fall, dass sie sich für die Subscription-Variante entscheiden, stellt Microsoft sogar ein Einsparpotenzial von bis zu 15 Prozent in Aussicht. Gekniffen seien allerdings die geschätzt 20 Prozent der Anwender, deren Software-Upgradezyklen fünf Jahre oder länger sind. Diese müssen laut Microsoft mit steigenden Kosten rechnen.

Gartner hat rasch nachgerechnet und kommt zu einem völlig anderen Ergebnis: Unternehmen, die im Schnitt alle drei Jahre Upgrades installieren, zahlen den Experten zufolge (wegen der gestrichenen Version-Upgrade-Regelung) zwischen 35 und 77 Prozent mehr für ihre Microsoft-Produkte. Bei einem vierjährigen Upgraderhythmus veranschlagen die Auguren Mehrkosten zwischen 68 und 107 Prozent. Der ehemalige Gartner-Mann Chris LeTocq, inzwischen Principal Analyst bei Guernsey Research, hält den Wechsel ebenfalls für weit dramatischer als von der Gates-Company dargestellt. "Anwender, die nur alle vier Jahre updaten, gehen besser gleich und kaufen sich die Vollversionen der Produkte", rät der Analyst (ein wenig polemisch, zugegeben).

Weitere Details der Microsoft-Ankündigung, auf die wir nicht näher eingehen möchten:

Die Select-Verträge laufen künftig ebenfalls über drei Jahre (bisher: zwei Jahre).

Die bisherige Back-Office-Lizenz entfällt und wird durch eine "Core CAL" (Client Access License) ersetzt, die statt der CAL für SQL Server eine für den neuen "Sharepoint Portal Server" enthält.

Der bisherige indirekte Kanal für die Entprise Agreements wird in den USA, Kanada und einigen europäischen Staaten durch Microsoft-Direktverkauf ersetzt. Die früheren Reseller werden damit zu "Enterprise Software Advisors" degradiert und bieten nur mehr Beratung und Lizenz-Management. Zum Ausgleich erhalten sie Provisionszahlungen vom Hersteller.