Web

 

Microsoft droht Sammelklage wegen Sicherheitsmängeln

06.10.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine 50-jährige Kalifornierin hat eine Klage gegen Microsoft vor dem Los Angeles Superior Court eingereicht. Die Klägerin macht die Gates-Company dafür verantwortlich, dass ihr Heimcomputer gehackt wurde und persönliche Informationen wie Name und Sozialversicherungsnummer in falsche Hände gerieten. Im Detail wird der Softwareriese beschuldigt, gegen gültiges Wettbewerbsrecht und zwei kalifornische Verbraucherschutzgesetze zu verstoßen. Eines davon legt fest, dass Unternehmen kalifornische Bürger über IT-Sicherheitslücken informieren müssen, die den unerlaubte Zugriff auf persönliche Informationen ermöglichen.

Generell ist die Klägerseite der Ansicht, dass Microsofts Dominanz im Markt für Desktop-Betriebssysteme ein globales Sicherheitsrisiko geschaffen habe. Die Klageschrift bezieht sich dabei in weiten Teilen auf einen Bericht, der Ende September der CCIA (Computer & Communications Industry Association) vorgestellt wurde. Darin warnen IT-Sicherheitsexperten, Microsoft-Produkte seien von Fehlern durchsetzt und systembedingt gefährlich für Anwender sowie die Gesellschaft insgesamt (Computerwoche online berichtete).

Microsoft mache es für Anwender wie die Klägerin zu schwer, ihre Systeme vor den Bedrohungen zu schützen, so der Anwalt der Kalifornierin. Die Gates-Company soll daher künftig ihre Kunden besser informieren. Zwar gebe Microsoft Sicherheitswarnungen aus. Diese seien jedoch zu komplex, um von der breiten Masse verstanden zu werden, heißt es in der Klageschrift. Statt dessen erhielten Hacker damit die nötigen Hinweise, um ähnliche Schwachstellen für einen neuen Angriff auszunutzen.

Nach Ansicht von Microsoft ist die Anklage falsch adressiert. Verursacher der Sicherheitsverletzungen seien immerhin Virenschreiber oder Hacker und nicht der Softwarehersteller selbst. Nach Ansicht von Security-Experten trage der Softwareriese zwar nicht die alleinige Schuld für die Unsicherheit seiner Produkte, dürfe aber auch nicht die gesamte Verantwortung auf andere abwälzen. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Umstand, dass Anwender nicht zwischen 20 angebotenen Betriebssystemen das sicherste Produkt auswählen können. Sollten sich weitere Anwender anschließen, könnte sich die Angelegenheit daher für Microsoft zu einer durchaus ernstzunehmenden Sammelklage erwachsen. (mb)