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KPN Qwest droht das Aus

16.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die weltweite Überkapazität an Glasfasernetzen droht nun auch KPN Qwest das Genick zu brechen. Der mit rund 2,1 Milliarden Euro verschuldete europäische Carrier teilte mit, dass sich die Liquidität weiter verschlechtert habe. Nachdem Gespräche mit Banken, Gläubigern und Großaktionären gescheitert waren, befürchtet KPN Qwest, den Finanzierungsbedarf für 2002 nicht decken zu können. Das Gemeinschaftsunternehmen von KPN (Niederlande) und Qwest Communications (USA) wollte jedoch zunächst keinen Gläubigerschutz beantragen. KNP Qwest warnte jedoch, dass die Anleihen und Aktien bald wertlos sein könnten. Der IP-Dienstleister hofft, das Problem durch den Verkauf von Assets, einen Forderungsverzicht der Gläubiger und die Beteiligung neuer Aktionäre zu lösen. Von der US-Mutter Qwest Communications wird dagegen keine Hilfe erwartet: Den mit 47 Prozent

beteiligten Carrier drücken selbst Schulden in Milliardenhöhe. Nach der Bekanntgabe stürzte der Aktienkurs von KPN Qwest um fast 60 Prozent auf 42 Cent. Seit Jahresbeginn haben die Papiere etwa 90 Prozent an Wert verloren.

KPN Qwest hatte in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge in den Aufbau eines paneuropäischen Glasfasernetzes investiert. Aufgrund der schwachen Nachfrage und den gesunkenen Preise für Netzwerkkapazität blieb das Unternehmen jedoch auf seinen Schulden sitzen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der niederländische IP-Dienstleister trotz 75 Prozent Umsatzplus einen Nettoverlust von 266 Millionen Euro ausgewiesen, nachdem steigende Zinslasten und Restrukturierungskosten von 51,6 Millionen Euro zu Buche schlugen (Computerwoche online berichtete).

In einer ähnliches Bredouille wie KPN Qwest steckt auch der britische Carrier Cable & Wireless (C&W) . Aufgrund einer Wertberichtigung auf TK-Beteiligungen in Höhe von rund vier Milliarden Pfund (rund 6,4 Milliarden Euro) verbuchte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr (Ende: 31. März) einen Vorsteuer-Verlust (Ebt) von 4,7 Milliarden Pfund (7,5 Milliarden Euro). Ein Jahr zuvor hatte C&W noch einem Gewinn von 3,6 Milliarden Pfund (5,76 Milliarden Euro) geschrieben. Der Profit vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) halbierte sich auf 822 Millionen Pfund (1,32 Milliarden Euro) nach 1,78 Milliarden Pfund (2,85 Milliarden Euro) im Vorjahr. Im Gegensatz zu KPN Qwest verfügen die Briten aber über liquide Mittel in Höhe von 2,6 Milliarden Pfund (4,16 Milliarden Euro). Was fehlt, ist dagegen ein positiver Ausblick: C&W-Chef Graham Wallace geht davon aus, dass sich der Markt auch in

den kommenden zwölf Monaten nicht stabilisieren wird. Nach der Bekanntgabe der Zahlen fiel der Aktienkurs am gestrigen Mittwoch um teilweise fast sieben Prozent auf ein Zehnjahrestief von 2,01 Pfund (mb)