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Kleinaktionäre wollen Strafanzeige gegen Infomatec erstatten

31.08.2000
Aktie im Sturzflug

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vom Regen in die Traufe: Nun haben die Machenschaften der Infomatec Integrated Information Systems AG auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auf den Plan gerufen. Die Anlegervereinigung bezichtigt den Anbieter von Settop-Boxen der Falschaussage in mehreren Ad-hoc-Meldungen und will daher Strafanzeige gegen die Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos erstatten. Diese sollen den Kurs mit geschönten Mitteilungen in die Höhe getrieben haben. Die Staatsanwaltschaft soll nun prüfen, ob sich das Management des Kursbetrugs und des Insiderhandels schuldig gemacht hat.

Der Augsburger Hersteller hatte in den Meldungen Millionenaufträge verkündet, die jedoch offenbar nicht den Tatsachen entsprachen. Beispielsweise war mitgeteilt worden, Mobilcom habe 100 000 Settop-Boxen bestellt, de facto waren es aber zunächst nur 14 000. Zwischen den Unternehmen war lediglich vereinbart worden, die Menge bei entsprechender Nachfrage auf 100 000 aufzustocken. Infomatec korrigierte daraufhin in der vergangenen Woche öffentlich die fehlerhaften Ad-Hoc-Meldungen des Vorjahres.

In dieser Woche senkte Infomatec dann auch seine Umsatzerwartungen für das laufende Jahr um 50 Prozent. Statt der erwarteten 90 bis 100 Millionen Euro rechne man nunmehr mit lediglich 50 Millionen Euro (CW Infonet berichtete).

Die Infomatec-Aktie befindet sich seitdem im Sturzflug: Sie verlor am gestrigen Handelstag um 17,9 Prozent und notierte zum Börsenschluss bei 6,65 Euro. Am heutigen Donnerstag wurde sie gegen 17.30 Uhr um weitere 8,96 Prozent niedriger mit 6,10 Euro gehandelt.