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Kartellverfahren: Schlappe für Microsoft

15.06.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – In dem laufenden Kartellverfahren gegen Microsoft rief Verteidiger John Warden gestern AOL Senior Vice President David Colburn in den Zeugenstand, der schon als Zeuge für die US-Regierung fungiert hatte. In der scharfen Befragung versuchte Walden zu beweisen, daß der Online-Dienst durchaus eine ernstzunehmende Gefahr für Microsoft im Bereich Betriebssystem-Software darstelle und damit von einer Monopolstellung des Softwareherstellers keine Rede sein könne.

Warden versuchte Colburn zu der Aussage zu bewegen, daß AOL vorhabe, Microsofts Internet-Browser zugunsten vom Netscape-Navigator aufzugeben. Der Online-Dienst hatte im vergangenen November Netscape erworben. Als Beweis legte Warden eine E-Mail vom 20. September 1998 vor, in der AOLs CEO (Chief Executive Officer) Steve Case angeregt hatte, Alternativen zu Microsofts Internet-Browser zu erwägen. Colburn wies die Vorwürfe zurück mit der Begründung, daß in der Antwort auf Cases E-Mail von einer Aufkündigung der Microsoft-Vertrages abgeraten worden sei, da der Computerriese zu mächtig sei und man eventuelle Gegenmaßnahmen nicht herausfordern wolle. AOL sei ferner bis zum Januar 2001 an einen Vertrag mit Microsoft gebunden. Trotz aller Attacken blieb Colburn bei seiner Behauptung, daß von einer geplanten Beendigung der Partnerschaft mit Microsoft keine Rede sein könne.

Die Staatsanwaltschaft lehnte schließlich das von der Verteidigung beantragte Kreuzverhör von Colburn ab, da die Aussage klar genug gewesen sei und keiner weiteren Klärung bedürfe. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt.