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Kagermann: Konkurrenzdruck zwingt SAP zur Indien-Expansion

24.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP plant weitere Einstellungen in Niedriglohnländern. Vorstandssprecher Henning Kagermann sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass ein signifikanter Teil künftigen Wachstums und der daraus resultierenden Arbeitsplätze von SAP nicht mehr in Deutschland, sondern in Niedriglohnländern entstehen wird. Insgesamt, so schätzt der 56-jährige, lassen sich 25 Prozent der Entwicklungsarbeit von SAP in Niedriglohnländer verlagern.

Das Unternehmen hatte erst vor kurzem für Schlagzeilen mit der Ankündigung gesorgt, das Entwicklerteam am südindischen Standort Bangalore verstärken zu wollen. Bereits bis Ende kommenden Jahres, so teilte SAP mit, werde sich die Belegschaft von derzeit 750 auf dann 1500 Mitarbeiter verdoppeln (Computerwoche online berichtete).

SAP habe Kunden, die zwar Aufträge im zweistelligen Millionenbereich vergeben, aber indische Preise und Konditionen verlangen, so Kagermann weiter. Dagegen könne sich auch SAP auf Dauer nicht wehren. Um im Wettbewerb mit Hauptkonkurrenten profitabel zu bleiben, muss die Marge stimmen, konstatierte der Topmanager. Die großen US-Wettbewerber gingen ganz massiv in Niedriglohnländer und hätten daher einen Kostenvorteil. Dem könne sich auch SAP nicht ganz entziehen. Wenn es um Wachstumschancen gehe, müsse das Unternehmen andere Märkte stärker berücksichtigen und seine Kostenstruktur optimieren. Die für 2003 angestrebte Gewinnmarge von 28 Prozent bezeichnete Kagermann als ungenügend. Hauptkonkurrenten hätten sogar noch weit höhere Margen und daran müsse sich SAP messen. So liege die Rendite von Oracle bei 36, die von Microsoft bei 41 Prozent.

Trotz aller Auslandsexpansion sei und bleibe Deutschland aber ein Kernstandort für SAP, stellte der Vorstandsvorsitzende fest: "Wir kommen von hier, wir haben hier unsere Leute und die haben den Erfolg gemacht". Dementsprechend werde es auch hierzulande noch Neueinstellungen geben, jedoch nicht mehr in dem Maße wie früher. (mb)