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Journalisten-Impressionen aus der wüsten Stadt Las Vegas

17.11.1999

LAS VEGAS (ciw) - Hier in der Wüste von Nevada ist wirklich alles anders als im Rest der Welt. Selbst die amerikanischen Kollegen behaupten, daß Vegas mit keiner anderen Stadt in den USA zu vergleichen ist und deshalb nicht unbedingt als Beispiel für amerikanische Lebensart taugt. Stimmt schon - so viele bunte Lichter, Spielautomaten und gigantische Hotelkomplexe gibt es nirgendwo sonst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das neueste und natürlich zur Zeit größte Hotel, das den Las Vegas Boulevard alias "The Strip" schmückt, ist das "Venetian". Der Name ist Programm: Man hat den venezianischen Canale Grande nachgebaut, mit (echten) Gondeln und (falsch) singenden Gondolieri. Allerdings befindet sich der Nachbau im Unterschied zum Original im ersten Stock und ist natürlich komplett überdacht. Über ihm wölbt sich in 30 Metern Höhe ein täuschend echter Abendhimmel. Wären nicht bei genauem Hinsehen der ein oder andere Sprinkler der

Feuerlöschanlage zu erkennen, wähnte man sich im ersten Moment tatsächlich unter freiem Himmel - vor allem dann, wenn draußen (und da ist man selten in Las Vegas) ebenfalls Dunkelheit herrscht.

Doch hinter der schillernden Fassade bleibt Las Vegas ein Teil der Vereinigten Staaten. Schließlich wird auch hier der Volkssport Nummer eins exzessiv betrieben - das Schlangestehen. Wer das noch nicht erlebt hat, dem sei es kurz beschrieben: Die Menschen stehen dabei nicht nur geordnet hintereinander, sondern die Schlangen werden durch das Aufstellen mobiler Begrenzungen in die sonderbarsten Serpentinen gezwungen. Die hohe Schule des "Queueing“ wird jeweils kurz vor den morgendlichen Keynote-Speeches praktiziert.

Der Computerenthusiast darf nämlich nicht etwa einfach vor dem Grand Ballroom (8000 Plätze) des Venetian warten oder gar ohne Ordnerhilfe hineingehen. Das wäre zu einfach. Eine halbe Stunde vor Beginn der jeweiligen Rede hat man sich einzufinden und wird in eine Art Tiefgarage geführt, die die gleichen riesenhaften Ausmaße hat wie der Ballroom. Dort stehen mit Tuch bespannte Gitter, die lange Linien bilden, zwischen denen sich der Besucher aufstellen muß. Damit nicht genug, wird er auch noch klassifiziert. Aussteller in die eine Schlange, Journalisten in eine andere und normale Messebesucher in wieder eine andere Linie. Ist der Aufmarsch abgeschlossen und steht alles in Reih und Glied, fordern uns - inzwischen sind wir rund 7000 Menschen - die Ordner auf, geordnet in den Ballroom zu marschieren. Das tun wir dann auch - zumindest noch bei der ersten Keynote.

Christoph Witte, Chefredakteur COMPUTERWOCHE, Las Vegas