Web

 

Jeder dritte Arbeitsplatz bei Siemens ICN gefährdet

20.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zum 30. September sollen bei der defizitären Netzwerksparte Siemens ICN (Information and Communication Networks) alleine am Münchner Standort in der Hofmanstraße 2300 Mitarbeiter gehen. Unternehmenssprecher Constantin Birnstiel wollte sich nicht zu den konkreten Plänen äußern, sondern verwies auf die Vorgabe, dass im Rahmen des geplanten Restrukturierungsprogramms 16.500 Stellen abgebaut werden sollen (Computerwoche online berichtete). Momentan spreche man mit dem Betriebsrat. Betroffen sei am Münchner Standort das Carriergeschäft, einen Zeitplan für die Umstrukturierung gebe es nicht, so Birnstiel.

"Das Management versucht, durch einen großen Bluff die Beschäftigten zu verunsichern", erklärt dagegen Wolfgang Müller von der IG Metall Bayern. Der Betriebsrat sei zwar über die Pläne zum Stellenabbau informiert worden, Verhandlungen über eine Lösung gebe es allerdings bisher noch nicht. Die betroffenen 2300 Mitarbeiter sollen bereits zum 30. September 2002 das Unternehmen verlassen. Im Gespräch sei eine Beschäftigungsgesellschaft für die betroffenen Entwickler, Ingenieure und IT-Spezialisten. "Das Management will sofort verhandeln und setzt den Leuten die Pistole auf die Brust", fügt Michael Leppek von der IG Metall hinzu. Es soll weder Abfindungen noch Sozialplanverhandlungen geben. Die ICN-Mitarbeiter sollten dagegen Aufhebungsverträge unterschreiben und in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln, um dann bei Bedarf als entliehene Arbeitskräfte wieder an ihren früheren Arbeitsplatz zurückkehren. Aus Sicht der

Gewerkschaft wolle das Management das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmer übertragen. "Die Pierer´sche Variante des Hartz-Modells, sozusagen", ergänzt Gewerkschaftsmann Müller. "Mit öffentlichen Geldern subventioniert,, könnte das Unternehmen anschließend die hochqualifizierten ehemaligen Mitarbeiter wieder am vorherigen Arbeitsplatz einsetzen."

Die Position der Gewerkschaft ist klar: "Wenn ein Drittel der Mitarbeiter gehen soll, lehnen wir das ab. Es gibt Alternativen, beispielsweise bei anderen Unternehmen erfolgreich umgesetzte Modelle zur Arbeitszeitverkürzung", erklärt Leppek die Vorschläge der IG-Metall. Bereits heute mittag verhandelt das Management mit dem Arbeitsamt München über die Konditionen einer Beschäftigungsgesellschaft. (iw)