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iTunes Music Store: Zu schlechte Klangqualität?

06.07.2004

Die "New York Times" widmet sich in einem interessanten Artikel der Frage, ob die von Apple iTunes Music Store angebotene Qualität ausreicht. Zwar, so schreibt das Blatt, mache die Kombination aus dem "Designwunder" iPod und dem flankierenden Online-Angebot das legale Sammeln und Abspielen von Musik "lächerlich einfach" und "unwiderstehlich". Allerdings seien die über den Music Store verbreiteten Titel zu stark komprimiert.

Hintergrund: Die von Apple online verkaufte Musik verwendet den aus MPEG-4 entlehnten AAC (Advanced Audio Codec) mit einer Bitrate von 128 Kilobit pro Sekunde. AAC arbeitet etwa so effektiv wie MP3 plus, erreicht also kleinere Dateigrößen als das herkömmliche MP3-Audio. Musik auf normalen Audio-CDs ist allerdings mit einer erheblich höheren Bitrate von 1378 kbps kodiert - und den Unterschied zwischen 128 und 1378 kbps nehmen nicht nur geschulte, sondern auch ganz normale Ohren wahr, findet die "Times". Vielleicht nicht unbedingt auf einem iPod in der U-Bahn, aber zu Hause am Rechner oder der Stereoanlage.

Das Blatt zitiert Wes Phillips, Redakteur des Fachblatts "Stereophile", mit der Aussage: "128 ist wie ein Achtspur-Tonband." Die Kombination aus iPod und iTunes ist für den Experten "der Kauf eines Geräts aus dem 21. Jahrhundert, um in den 1970er Jahren zu leben".

Apple selbst hat bereit ein "Lossless Encoding" in iTunes eingebaut, das Musikdateien ohne Qualitätsverlust auf etwa 50 Prozent ihrer Größe komprimieren kann. Für den iTunes Music Store setzt der Hersteller dieses jedoch nicht ein - dahinter dürfte vor allem die Bandbreitenproblematik stecken. Außerdem würden sich die Werbeaussagen über die Speicherkapazität des iPod ("10.000 Songs zum Mitnehmen") dadurch in Makulatur verwandeln.

Die Konkurrenz arbeitet übrigens mit ähnlichen Kompressionsraten - und damit notwendigerweise einhergehenden Qualitätsverlusten - wie der iTunes Music Store und bewirbt diese ähnlich wie Apple mit schwammigen Begriffen wie "nahezu CD-Qualität". Höhere Bitraten gibt es derzeit nur bei Abonnement-Diensten, die allerdings keine eigene Speicherung von Titeln erlauben und bei denen man "seine" Musik-Streams immer wieder aufs Neue bezahlen muss. Angesichts dessen fordert die "New York Times" ein stärker zukunftsweisendes Denken und die Möglichkeit, digital erworbene Musik in voller CD-Qualität zu sammeln. (tc)