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Intel zahlt 300 Millionen Dollar an kleine Talentschmiede

21.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Als Intel kürzlich die Ergebnisse des dritten Quartals bekannt gab, tauchte das bis dato nur Eingeweihten bekannte Acht-Mann-Unternehmen Micro Unity auf, das vom Chipgiganten 300 Millionen Dollar als Kompensation für Patentrechtsverletzungen erhalten hat.

Die kleine Talentschmiede aus dem kalifornischen Santa Clara hat1988 der ehemalige MIPS-Mitbegründer John Moussouris aus der Taufe gehoben. Das Ziel war es, Media-Prozessoren zu entwickeln, die Audio- und Video-Daten verarbeiten können und in Geräte der Unterhaltungselektronik wie Fernseher oder Mobiltelefone eingebaut werden sollten. Dazu hatten die Micro-Unity-Entwickler eine spezielle Threading-Technik entwickelt und sich patentieren lassen.

Micro Unity galt damals als Highflyer und wurde von vielen schon als neue Transmeta gehandelt. Allerdings wurden Mediaprozessoren nie wirklich zu einem lukrativen Geschäft, denn herkömmliche Intel-Chips wurden immer leistungsfähiger und enthielten laufend weitere Funktionen. Die x86-Architektur wurde zur Allround-Plattform auch für den privaten Endanwender. Für Systemhersteller lohnte es sich nicht, ihre Produkte auf innovative Chip-Designs abzustellen. Zudem waren die Mediaprozessoren mit ihrer eingeschränkten Funktionalität und Preisen zwischen 300 und 400 Dollar nicht gerade billig. Zusätzlich belastet vom Platzen der Dot-Com-Blase, verschwand Micro Unity in der Versenkung.

Wie die Company die 300 Millionen Dollar von Intel für die Verletzung von acht ihrer insgesamt 66 Patente verwenden wird, ist nicht bekannt. Man schätzt, dass Investoren der Firma weniger als die Hälfte dieser Summe für die Entwicklungen zur Verfügung gestellt haben und jetzt ihr Kapital zurückerstattet bekommen. (kk)