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Infineon prüft Abspaltung des DRAM-Geschäfts

13.05.2004

Der Münchner Chiphersteller Infineon Technologies erwägt offenbar, sein Kerngeschäft, die Fertigung von DRAM-Speicherchips, auszugliedern. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf Insider-Kreise. "Das Ding ist so gut wie weg", zitiert die Zeitung einen mit den Verhandlungen Vertrauten. Bisher sei jedoch noch nicht entschieden, ob der Bereich in ein Joint Venture ausgelagert, verkauft oder an die Börse gebracht werde.

Das Speicherchipgeschäft ist bei Infineon für rund 40 Prozent der Einnahmen gut, sorgt jedoch wegen der äußerst starken Preisschwankungen immer wieder für Probleme. So zeichnete die Sparte für den Großteil der Verluste von mehr als 2,5 Milliarden Euro verantwortlich, die Infineon im Zuge der letzten Halbleiterkrise in den Jahren 2001 bis 2003 anhäufte.

Laut FTD geht der Umbauplan noch auf den im März gefeuerten Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher zurück. Dessen Absicht, die Speichersparte auszugründen und COO Andreas von Zitzewitz zu deren Chef zu bestellen, habe letztendlich mit zu seinem Sturz geführt, so die Zeitung.

Branchenexperten gehen davon aus, dass Schumachers designierten Nachfolger Wolfgang Ziebart die Abspaltungspläne durchaus gelegen kommen. Der Vizechef des Autozulieferers Continental gilt als äußerst renditeorientiert und dürfte auf Dauer wohl kaum das Risiko hoher Verluste bei jedem Abschwung der Halbleiterbranche in Kauf nehmen. Dies gilt umso mehr, als der DRAM-Boom schon bald wieder abklingen soll: Marktbeobachter unken, die Wachstumsraten im Speichergeschäft würden nach einem kurzen Zwischenhoch im laufenden Jahr bereits 2005 wieder zurückgehen. (mb)