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Infineon kürzt Investitionen

16.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon will im kommenden Geschäftsjahr (Ende: 30. September 2003) seine Investitionen um ein Drittel kürzen. Da es keine Anzeichen auf eine Erholung in den kommenden zwei Quartalen gebe, sollen statt den geplanten 1,5 Milliarden nur noch eine Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt werden, verkündete der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher laut Presseberichten. "Wir werden erst dann wieder aggressiver investieren, wenn die kommende Marktentwicklung absehbar ist", gab Schumacher bekannt. Er machte jedoch keine Angaben dazu, welche Teile des Konzerns von den Einsparungen besonders betroffen sind. Der Firmenchef erklärte jedoch, dass durch die Einsparungen die Produktivität nicht gefährdet werde. So betrage der Technologievorsprung aufgrund früherer Investitionen - etwa in der 300-nm-Wafer-Produktion - noch vier bis fünf Jahre.

Trotz des Sparkurses sieht der CEO sein Unternehmen bei einer anstehenden Konsolidierung in der Chipbranche als einen der Sieger hervorgehen.

Infineon bestätigte außerdem das Ende der Kooperation mit dem taiwanesischen Unternehmen Mosel Vitelic beim gemeinsamen Joint-Venture Promos wegen weiderholter und schwerwiegender Vertragsbrüche des Partners (Computerwoche online berichtete). Sein Konzern werde nur dann einen Abnahmevertrag mit Promos unterzeichnen, wenn er 90 bis 100 Prozent der produzierten Speicherchips beziehen kann, so Schumacher. Bislang hatte Infineon sich verpflichtet, 48 Prozent der Produktion abzunehmen.

Unabhängig davon gab der Münchner Konzern bekannt, er habe mit dem US-Netzwerkausrüster Agere Systems eine Kooperationsvereinbarung über die Produktion von Chips für Wireless-LANs getroffen. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen Patente ausgetauscht und gegenseitige Liefervereinbarungen getroffen werden. Infineon will in das Joint-Venture seine Dual-Band-Funktechnologie sowie breibandige Leistungsversärker-Chips einbringen. Agere steuert seinen Multimode-Media-Access-Controller (MAC) bei, um Kompatibilitätsprobleme zwischen den verschiedenen Wireless-Standards 802.11 a, b und g zu beseitigen. Die gemeinsamen Produkte für Funknetze der nächsten Generation mit bis zu 54mbit/s Bandbreite wollen die beiden Unternehmen aber unabhängig voneinander vermarkten, hieß es. (mb)