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Infineon-Chef Schumacher sieht Speicherpreise weiter steigen

08.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Infineon -Chef Ulrich Schumacher rechnet mit einem weiteren Preisanstieg bei Speicherchips und hofft auf einen wachsenden Marktanteil für sein Unternehmen. Auf einer Investorenkonferenz am Donnerstag erklärte Schumacher, er sei überrascht von der schnellen Erholung des Chipmarktes. Nach der Flaute würden nun alle Geschäftsbereiche wieder Umsatzzuwächse verzeichnen.

Am deutlichsten zeigt sich die Genesung bei den DRAMs, mit denen die Münchner etwa 30 Prozent ihrer Umsätze erzielen: Anfang November wurden die 128-Mbit-SDRAMS zeitweise für unter einem Dollar angeboten, derzeit kosten die Bausteine auf dem Spotmarkt zwischen vier und 4,50 Dollar. Da die Produktionskosten allerdings bei 5,50 Dollar liegen, hofft Infineon auf die in der Regel etwas höher angesiedelten Vertragspreise für Großkunden. Schumacher zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Preise weiter nach oben klettern werden, da die Lagerbestände der Hersteller nahezu aufgebraucht seien. Die Vorräte bei Infineon würden nach Angaben des Konzernvorstands derzeit etwa zwei bis zweieinhalb Wochen reichen.

Um weiterhin ihre Marktanteile zu steigern, will die Siemens-Tochter in Zukunft weiter in die Fertigung von 300-Millimeter-Wafern investieren (Computerwoche online berichtete), mit denen sich im Vergleich zu den Siliziumscheiben mit 200-Millimeter Durchmesser 30 Prozent der Produktionskosten einsparen lassen. Der Infineon-Chef zeigte sich zuversichtlich, den Anteil am Weltmarkt im DRAM-Geschäft in den nächsten zwei bis drei Jahren von derzeit 15 auf rund 20 Prozent ausbauen zu können. Die Nachfrage nach Chips für TK-Infrastruktur sei dagegen nach wie vor schwach, ein Aufschwung sei hier in den nächsten zwei bis drei Quartalen nicht zu erwarten. Im Bereich Mobiltelefon-Chips verzeichnet Infineon dagegen eine leichte Erholung. Um Profite in dem niedermargigen Bereich zu erzielen, müsse man jedoch die Produktionsmengen steigern, erklärte Schumacher.

Eine Überproduktion wie bei den Speicherchips im vergangenen Jahr wird es nach Meinung des Infineon-Vorstands nicht mehr geben. Hauptgrund für den Optimismus sind die Übernahmegespräche zwischen Hynix und Micron (Computerwoche online berichtete). Sollte der fünf bis sieben Milliarden Dollar schwere Deal zustande kommen, werde Micron daran interessiert sein, dass die DRAM-Preise hoch bleiben, erläuterte Schumacher. Macht Hynix alleine weiter, kann sich das südkoreanische Unternehmen keine Investitionen in eine neue 300mm-Wafer-Fertigungsanlage leisten. Deshalb sei Hynix allein nicht wettbewerbsfähig, behauptet der Infineon-Chef. "Hynix ist eineinhalb bis zwei Jahre hinten dran. Sie haben keine Chance, das aufzuholen." (mb)