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Indische Tata äugt nach Triaton

08.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am Werben um Triaton, dem zum ThyssenKrupp-Konzern gehörigen IT-Dienstleister, ist offenbar auch die indische Tata Consultancy Services (TCS) beteiligt. Wie die "Financial Times Deutschland" aus mit den Verhandlungen betrauten Kreisen erfuhr, konkurriert die IT-Service-Tochter des indischen Mischkonzerns Tata dabei mit Bietern wie T-Systems, CSC, Cap Gemini Ernst &Young und IBM. Am Freitag endet die zweite Gebotsrunde, in der die Interessenten ein verbindliches Übernahmeangebot abgeben müssen.

Dass indische Software- und Servicefirmen bei ihren Expansionsplänen nach Deutschland auch auf Zukäufe setzen, ist wenig überraschend. Selbst Branchengrößen wie Tata Consultancy Services, Wipro oder Infosys mussten feststellen, dass sie alleine und mit organischem Wachstum hierzulande nur wenig vorankommen. Daher zögen indische Unternehmen den Kauf deutscher Anbieter in Erwägung, hieß es bereits im September 2003 in einer Studie von Deloitte & Touche Corporate Finance, einem Spezialisten für Firmenübernahmen. Das Prinzip hinter den Deals: Deutsche Firmen sollen transformiert werden, gefragt sind vor allem Consultants und Projekt-Manager. Sie dienen später als Ansprechpartner der deutschen Kunden.

Der ideale Kaufkandidat für indische Firmen ist dabei laut Deloitte-Manager Andreas Pohl ein privat geführtes Unternehmen, das weniger als 50 Millionen Euro pro Jahr umsetzt. Im Vergleich dazu ist Triaton, das 2002 472 Millionen Euro erwirtschaftete, ein etwas dickerer Fisch; die Tata-Tochter als größter indischer IT-Konzern brachte es im Geschäftsjahr 2002/2003 auf mehr als 900 Millionen Dollar.

Der Verkauf soll nach Vorstellungen des Vorstandes von ThyssenKrupp noch im Frühjahr über die Bühne gehen. Branchenbeobachter gehen von einem Verkaufspreis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich aus. Attraktiv für den Käufer ist dabei, dass die Übernahme vermutlich auch mit einem Outsourcing-Vertrag verknüpft ist, da ThyssenKrupp weiter IT-Dienstleistungen von Triaton beziehen will. Ob ThyssenKrupp jedoch eine Vorreiterrolle einnehmen und sein Rechenzentrum an einen Offshore-Anbieter auslagern will, ist fraglich. (mb)