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Indiens Justiz ruiniert regierungskritischen Onlinedienst

19.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Erst hat der indische Onlinedienst Tehelka durch eine investigative Recherche mehrere Regierungsmitglieder gestürzt. Nun steht er selbst vor dem Ruin. Die Zahl der Redaktionsmitglieder wurd von 120 auf 20 reduziert, und auch die haben seit sechs Monaten kein Gehalt mehr bekommen.

Im März vergangenen Jahres hat Tehelka mehrere hochrangige Offiziere der Armee, Top-Politiker und hohe Regierungsbeamte der Korruption überführt. Ein Journalistenteam gab vor, sich Hilfe bei Militärgeschäften erkaufen zu wollen und filmte Schmiergeldübergabe und Preisverhandlungen. Als Folge des Reports sind verschiedene hochrangige Regierungsmitglieder zurückgetreten, unter anderem Verteidigungsminister George Fernandes.

Seitdem wurden zwei Mitglieder der Redaktion verhaftet und die Redaktionsräume mehrfach durchsucht. Die erste Razzia erfolgte zehn Tage nach der Veröffentlichung des Skandalreports. Auch die Geldgeber von Tehelka sind Repressalien ausgesetzt. So bezichtigt die indische Börsenaufsicht das Unternehmen First Global Stock Broking, das Tehelka finanziert, verbotener Insidergeschäfte.