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IETF für quelloffenes Instant Messaging?

02.09.2002

Eine Gruppe aus der Open-Source-Community ersucht, die Standardisierung von Instant Messaging (IM) in der Internet Engineering Task Force (IETF) wieder voranzutreiben. Die „Jabber Software Foundation“ hat die Einrichtung einer eigenen Arbeitsgruppe in der IETF um das auch kommerziell vertriebene Produkt „Jabber“ vorgeschlagen und gute Chancen, dazu die Zustimmung zu bekommen.

Jabber ist eine Instant-Messaging-Lösung, die auf XML basiert und interoperabel mit anderen IM-Lösungen ist. Sie läuft nach Angaben der Entwickler auf rund 100.000 Servern und wurde von AT&TAT&T, HP, Walt Disney, Bell South und France Telecom in Lizenz genommen. Das spricht für Jabber, aber Opponenten in der IETF befürchten, die Lösung könnte aufgrund ihrer Verbreitung andere Ansätze an die Wand drücken und ihre Protagonisten schon vorhandene Spezifizierungen ignorieren.

Mit Instant Messaging beschäftigt sich die IETF ohne großen Erfolg seit etlichen Jahren. Die Arbeiten wurden ausgelöst durch eine Auflage für AOL beim Zusammenschluss mit Time Warner, sein Instant-Messaging-System offenzulegen. AOL beteiligte sich seither halbherzig in der IETF an einer Arbeitsgruppe zur Spezifizierung von „Simple“. Dieses „SIP for Instant Messaging and Presence Leveraging Extensions“ ist eine Instant-Messaging-Anwendung auf der Basis des „Session Initiation Protocol“ (SIP). Doch im Juni hat sich AOL aus dem Gremium zurückgezogen.

Neben Simple gibt es in der IETF noch andere Protokollvorschläge und Arbeitsgruppen zum Instant Messaging: Das Projekt „Application Exchange“ (Apex) dümpelt vor sich hin, das „Presence and Instant Messaging Protocol“ (PRIM) gilt als so gut wie gestorben. Außerdem gibt es noch das „Instant Messaging and Presence Protocol“ (IMPP) und eine Arbeitsgruppe „Common Presence and Instant Messaging“ (CPIM). (ls)