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IBM: Keine Gefahr durch Patente in Linux

05.08.2004

IBM wird gegen die Nutzung von patentrechtlich geschützten Technologien im quelloffenen Betriebssystem Linux nicht vorgehen, sagte Nick Donofrio, Senior Vice President for Technology and Manufacturing, unter dem Beifall des Auditoriums auf der Fachmesse Linuxworld Conference and Expo in San Francisco.

Donofrio forderte außerdem andere Hersteller auf, ebenso zu verfahren. Mit dem Statement reagierte der IBM-Manager auf Befürchtungen der Linux-Community, die Anfang dieser Woche nach einer Studie des Unternehmens Open Source Risk Management (OSRM) aufgekommen waren. Demnach werden in Linux 283 geschützte Technologien verwendet, die bislang nicht gerichtlich überprüft wurden. 60 dieser Patente hält IBM (Computerwoche.de berichtete).

Nick Donofrio: "IBM wird gegen die Nutzung von patentrechtlich geschützten Technologien in Linux nicht vorgehen

Nach wie vor ungeklärt ist jedoch, wie sich der erklärte Open-Source-Gegner Microsoft verhalten wird. Der OSRM-Studie zufolge stecken 27 geschützte Technologien des Redmonder Unternehmens in Linux. Bereits Ende 2003 hatte Microsoft angekündigt, seine insgesamt rund 4500 Patente künftig auch an andere Anbieter zu lizenzieren. Grund dafür seien Kundenanfragen, aber auch Forderungen von Behörden.

Neben Open-Source-Aktivisten befürchtet auch Hewlett-Packard (HP), dass die Gates-Company wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen gerichtlich gegen zentrale quelloffene Produkte vorgehen werde. In einer Ende Juli 2004 bekannt gewordenen E-Mail vom Juni 2002 an leitende HP-Manager heißt es: "Microsoft wird sich das Rechtssystem zunutze machen, um Open-Source-Software fertig zu machen."

Verfasser des Memos war Gary Campbell, damals Vice President für strategische Architekturen und heutiger Chef des Unternehmensbereichs Enterprise Servers and Storage. "Microsoft könnte Computerhersteller, Linux-Distributoren und - weniger wahrscheinlich - Entwickler wegen Verletzung von Patenten durch Open Source angreifen", schrieb Campbell (Computerwoche.de berichtete).

Der Open-Source-Guru Bruce Perens erwartet eigenen Angaben zufolge eine regelrechte Patent-Attacke mit der Absicht, die Open-Source-Bewegung stillzulegen. Entsprechende Prozesse seien für Aktivisten wie ihn nur mit der Unterstützung großer Unternehmen wie IBM und HP durchzustehen. Stehe er im Fall eines Prozesses alleine da, reichten seine Mittel nur für zehn Verhandlungstage. Danach müsse er aufgeben und eine außergerichtliche Einigung unterzeichnen. "Ich würde von IBM, HP und anderen Unternehmen gerne hören, dass sie mich im Prozessfall unterstützen und nicht nur abwartend zuschauen", sagte Perens. (lex)