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HP trumpft auf

21.11.2002
HP hat für das vierte Quartal überraschend gute Zahlen vorgelegt. Allerdings streicht das Unternehmen im Zuge der Fusion mit Compaq 1100 Stellen mehr als zuvor angekündigt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - HP hat im abgeschlossenen vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2001/02 einen Nettogewinn erwirtschaftet und die Verluste in zwei wichtigen Geschäftsfeldern signifikant verringert. Außerdem teilte das Unternehmen mit, es komme mit seinen geplanten Kosteneinsparungen besser voran als geplant und die Integration von Compaq verlaufe wunschgemäß. Ferner bestätigte der Konzern die Wall-Street-Prognosen für das laufende erste Quartal und will Umsatz und Gewinn gegenüber dem letzten Vierteljahr nochmals steigern.

"Angsichts der anhaltenden Schwäche des IT-Markts freue ich mich über unser Abschneiden", erklärte HP-CEO Carly Fiorina.
"Angsichts der anhaltenden Schwäche des IT-Markts freue ich mich über unser Abschneiden", erklärte HP-CEO Carly Fiorina.

"Unsere Strategie funktioniert, wir setzen sie gut um und wir gewinnen an Fahrt", konstatierte HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina. Für den Ende Oktober abgeschlossenen Dreimonatszeitraum wies der Konzern einen Nettogewinn von 390 Millionen Dollar oder 13 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu einem Nettoverlust von 505 Millionen Dollar oder 17 Cent je Anteilschein im Vorjahresquartal. Abzüglich Sonderbelastungen ergibt sich ein Proforma-Profit von 721 Millionen Dollar oder 24 Cent pro Aktie, geringfügig über der letzten eigenen Prognose von 22 Cent je Anteilschein. Der aktuelle Quartalsumsatz beträgt 18 Milliarden Dollar. Das sind zwar ein Prozent weniger als vor Jahresfrist, aber neun Prozent mehr als im vorhergehenden dritten Quartal und auch über der eigenen Erwartung von 17,4 Milliarden Dollar.

Bedeutsam ist vor allem die Tatsache, dass HP in seiner Personal Computing Division und der Enterprise Group (Server, Storage, Software) seine operativen Verluste mehr als halbieren konnte. Die PC-Sparte setzte 5,1 Milliarden Dollar um - plus sechs Prozent gegenüber Q3, minus sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - und erreichte unterm Strich einen operativen Verlust von 87 Millionen Dollar nach 198 Millionen Dollar im dritten Quartal. Die Einnahmen der Enterprise Division beliefen sich auf 4,1 Milliarden Dollar - sequentiell plus acht, im Jahresvergleich minus fünf Prozent - und erwirtschaftete einen operativen Verlust von 152 Millionen Dollar im Vergleich zu 422 Millionen Dollar im dritten Quartal. "Personal Computing und Enterprise zeigen dramatische Verbesserungen", bescheinigt Needham-Analyst Charlie Wolf. "Die Integration läuft klar nach Plan oder sogar noch besser."

Das meiste Geld verdient HP aber nach wie vor mit der Sparte Printers and Digital Imaging, die von der Fusion mit Compaq am wenigsten betroffen ist. In diesem Bereich lag der Umsatz bei 5,6 Milliarden Dollar, das sind 18 Prozent mehr als im vorhergehenden Quartal und zwölf Prozent mehr als im Berichtszeitraum des Vorjahres. Der operative Gewinn der Sparte belief sich auf aktuell 926 Millionen Dollar. 381 Millionen Dollar operativen Gewinn steuerte die Servicesparte zum aktuellen Quartalsergebnis bei. Der Bereich nahm 3,1 Milliarden Dollar ein, vier Prozent mehr als im vorhergehenden Vierteljahr und drei Prozent unter dem Vorjahresvergleichswert.

Finanzchef Bob Wayman führte das gute Ergebnis allein auf gutes internes Arbeiten des Konzerns zurück. Er warnte davor, daraus eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation abzuleiten. "Wir wissen noch nicht, ob die Budgets weiter fest verschnürt bleiben", erklärte der CFO (Chief Financial Officer). Fiorina ergänzte: "So zufrieden wir auch mit dem Ergebnis sind - wir haben noch eine Menge Arbeit zu tun, und wir geben uns nicht eher zufrieden, bis all unsere Geschäftsbereiche solide profitabel sind." Für das laufende Quartal rechnet der Konzern auf Basis von 18,4 Milliarden Dollar Umsatz einen Proforma-Profit von 27 Cent prio Aktie.

Seine Kosten hat HP in der zweiten Hälfte des Fiskaljahres nach eigenen Angaben um 561 Millionen Dollar gesenkt und damit das selbst gesteckte Ziel von 500 Millionen Dollar locker übertroffen. Eingerechnet sind hier unter anderem der Abbau von 12.500 Arbeitsplätzen durch Stellenstreichungen und natürliche Fluktuation sowie Konsolidierung von Zulieferern. Bis zum Ende des Fiskaljahres 2002/03 peilt das Unternehmen nun den Abbau von insgesamt 17.900 Stellen an, das sind 1100 mehr als bislang angekündigt.

HP veröffentlichte seine Zahlen gestern nach US-Börsenschluss. Im nachbörslichen Handel zog die Aktie des Unternehmens um 1,64 Dollar oder knapp zehn Prozent an, nachdem sie zuvor schon zum Fixing um knapp zwei Prozent stärker bei 16,85 Dollar notiert hatte. (tc)