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HP: Kleine Selbstgeißelungen für eine hoffnungsvolle Zukunft

28.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Selbstkritisch äußerten sich HP-Manager zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Sowohl im Speicher- als auch PC-Geschäft habe man erhebliche Fehler gemacht. Diese werde man jetzt ausbügeln.

HPs Executive Vice President Mike Winkler, der unter anderem für das weltweite Marketing verantwortlich ist, sagte anlässlich eines von Goldman Sachs veranstalteten Technology Investment Symposiums, man gewärtige "selbstverschuldete" Probleme im Speichergeschäft. Zum einen "haben wir es versäumt, unsere Produkte aufzufrischen." Zudem konnte HP nicht rechtzeitig mit Produkten am Markt auftreten. Grund hierfür sei gewesen, dass man Spezialisten für das Speichergeschäft nicht im Unternehmen habe halten können. Stattdessen seien Generalisten eingestellt worden, die die Speicherprodukte verkaufen sollten. Man habe aus diesen Fehlern gelernt. Man heuere nun wieder Experten für das Massenspeicherthema an.

Winkler äußerte sich außerdem zur Nachfolge von Carleton Fiorina. Er zog hierzu Vergleiche zur IBM zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Seinerzeit sei Big Blue in einem wesentlich schlechteren Zustand gewesen als HP momentan. Dann sei Louis Gerstner gekommen und habe das Blatt gewendet. Solch ein Firmenlenker wäre jetzt auch für sein Unternehmen sehr wichtig. Er müsse sich durch starke Führungsqualitäten im Tagesgeschäft auszeichnen.

Anlässlich der Präsentation der Geschäftsergebnisse der HP Deutschland GmbH kamen ähnlich kritische Worte zu einzelnen Produktbereichen auch vom deutschen Management. So sagte Stephan Wippermann, Geschäftsführer der Hewlett Packard GmbH und als Vice President verantwortlich für die Personal Systems Group, das Geschäft im Notebook-Segment "hat mir keine Freude bereitet. Hier haben wir viel Marktanteil verloren." Während das Produktsegment insgesamt ein zweistelliges Wachstum verzeichnete, "sind wir zwar auch zweistellig gewachsen, aber leider mit negativem Vorzeichen", sagte Wippermann.

Hier verschlief HP offensichtlich Markttrends. Wippermann sagte gegenüber der COMPUTERWOCHE, man habe beispielsweise im Niedrigpreissegment nicht mit einem adäquaten Angebot mithalten können. "Wir waren aber auch nicht bereit, höherwertige Produkte zu einem stark reduzierten Preis anzubieten". Allerdings, so der Manager weiter, werde man jetzt die komplette kommerzielle Notebook-Palette austauschen durch neue Produkte.

Auch Uli Holdenried, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hewlett-Packard GmbH, machte deutlich, dass eines der vorrangigen Ziele von HP Deutschland sei, ein stimmiges "Go-to-Market"-Modell zu entwickeln.

Hierzu habe man im Mai 2004 die Customer-Solutions-Organisation samt einem neuen Management aus der Taufe gehoben. Dieses Modell auf den Weg zu bringen, sei eine der wichtigsten Aufgaben in diesem Jahr. "Hierzu gehört auch, unser gesamtes Portfolio erfolgreich an den Markt zu bringen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern."

HP hatte im vergangen Jahr die Unternehmensschwerpunkte deutlich Richtung Dienstleistungssegment ausgerichtet: Im April 2004 kaufte man Triaton, die IT-Tochter von Thyssen, und übernahm zudem deren 2000 Mitarbeiter. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres (Beginn: 1. November 2004) übernahm HP zusammen mit einem Outsourcing-Deal bei der WestLB 350 WestLB-IT-Dienstleistern. Zusätzliche Servicefachleute wechselten mit einem weiteren Outsourcing-Abkommen mit der Carl Zeiss AG zum Computer- und Druckerhersteller. Holdenried sagte in diesem Zusammenhang, das Thema Dienstleistung sei für HP insofern von entscheidender Bedeutung, als sein Unternehmen auf diese Weise seine Sichtbarkeit und Relevanz beim Kunden erhöhen könne. "Mit Services geht das am besten." Er werde deshalb aber nicht anderen Produktbereichen leichterer Vorgaben machen.

Holdenried äußerte sich auch zum Thema Firmenkultur bei HP, das durch die Entlassung von Fiorina in die Schlagzeilen geriet. Wer jetzt vom Verlust des "HP Way" rede, solle bedenken, dass das Unternehmen heute ein Konglomerat unterschiedlicher Firmen sei. Neben den angestammten HPlern arbeiteten mittlerweile Tausende von Ex-Compaq-Mitarbeiter, 2000 ehemalige Triaton-Angestellte, 350 frühere WestLB-Dienstleistungsexperten bei HP Deutschland. "Meine Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, für diese Melange eine geeignete Firmenkultur zu finden."