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HP-Compaq-Fusion: Hat Fiorina getrickst?

11.04.2002
Eine Voice-Mail von HP-Chefin Fiorina an ihren CFO ist aufgetaucht, die den Verdacht nahe legt, es seien vor der Abstimmung über die Fusion mit Compaq "ungewöhnliche" Schritte eingeleitet worden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP) hat bestätigt, dass die Firmenlenkerin Carleton Fiorina zwei Tage vor der Aktionärsabstimmung über die Fusion mit Compaq ihrem obersten Finanzverantwortlichen Bob Wayman eine Voice-Mail zukommen ließ. In dieser bringt sie zum Ausdruck, dass das Unternehmen möglicherweise "etwas Ungewöhnliches tun" müsse, um von zwei großen Investoren die Unterstützung für den Firmenzusammenschluss zu bekommen.

HP-Finanzchef Bob Wayman
HP-Finanzchef Bob Wayman

Fiorina brachte in der telefonischen Nachricht an Wayman nach Angaben der kalifornischen Zeitung "San Jose Mercury News" zum Ausdruck, sie sei besorgt über das Abstimmungsverhalten der Deutschen Bank AG und der Northern Trust Corp. Laut der von der kalifornischen Zeitung zitierten Voice-Mail sagte die HP-Chefin wörtlich: "Wir müssen möglicherweise etwas Ungewöhnliches tun, um die beiden auf unsere Seite zu bekommen."

Eine HP-Firmensprecherin bestätigte, dass die Voice-Mail authentisch ist. Sie sagte ferner, dass HP nun "die nötigen Schritte einleiten" wird, um die Voice-Mail-Sicherheit zu erhöhen. Hierzu gehöre auch, interne und externe Sicherheitsberater zu engagieren.

Das US-Blatt hat die Voice-Mail, die anonym einem ihrer Reporter zugesandt wurde, auf seine Web-Site gestellt. Allerdings ist die Seite wegen des starken Ansturms sehr überlastet.

Walter Hewlett, Sohn von Firmengründer William Hewlett und strikter Gegner der Fusion, hatte vor einem Gericht in Delaware Klage gegen HP eingereicht. Er wirft dem Unternehmen vor, es habe bei der Aktionärsversammlung am 19. März Stimmen von Großaktionären, die die Fusion mit Compaq befürworteten, auf nicht einwandfreie Weise gewonnen.

Insbesondere die Deutsche Asset Management, eine Deutsche-Bank-Tochter, nimmt Hewlett aufs Korn: Diese habe ihre rund 25 Millionen Aktien vor der Abstimmung komplett gegen die Fusion gesetzt. Am Morgen des Hauptaktionärsvotums habe sie dann aber ihre Stimme hälftig für und gegen den Firmenzusammenschluss abgegeben. Hewlett behauptet jetzt, HP habe dem Großaktionär Deutsche Bank Asset Management eine Zustimmung zur Fusion schmackhaft machen wollen, indem noch wenige Tage vor dem Votum mit dem Institut ein Kreditabkommen über mehrere Milliarden Dollar geschlossen worden sei.

Eine Person, die mit den Fusionsvorgängen sehr vertraut ist, sagte gegenüber dem "Wall Strett Journal", Fiorina habe mit "ungewöhnlich" lediglich gemeint, dass man sich mit der Deutschen Bank treffen müsse, um über die Fusion zu reden. In den Monaten zuvor habe HP damit gerechnet, dass die Deutsche Asset Management ihren Stimmrechtsanteil zugunsten der Fusion abgeben würde. Erst als HP einige Tage vor der Abstimmung gewahr wurde, das dies nicht der Fall sei, habe man "ungewöhnliche" Aktionen eingeleitet, um ein Treffen mit Vertretern der Asset-Management-Abteilung der Deutschen Bank zu ermöglichen.

In der Voice-Mail spornt Fiorina ihren Finanzobersten Wayman an, am nächsten Morgen einen Vertreter der Deutschen Bank anzurufen: "Und wenn Du von ihm nicht die richtige Antwort bekommst, dann müssen wir eine Konferenzschaltung verlangen, eine Anhörung etc., um sicherzustellen, dass wir sie richtig polen," sagte Fiorina. Wenn die Antwort dann "die falsche" ist, fuhr die HP-Chefin fort, "müssen wir etwas unternehmen."

Im Folgenden geben wir das Transkript der Voice-Mail im Original wieder, dass die US-Publikation "San Jose Mercury News" auf ihrer Homepage veröffentlichte:

Below is a transcript of a voice mail message from Carly Fiorina, Hewlett-Packard's chairman and chief executive officer, to Bob Wayman, the company's chief financial officer.

The message was left on Sunday, March 17, two days before HP shareholders met in Cupertino to vote on HP's hotly contested proposal to buy Compaq Computer. The Mercury News received an anonymous audio copy of the message earlier this week.

To hear the message, visit http://multimedia.realcities.com:8080/ramgen/bayarea/news/carlyshort.rm

Hey, Bob, it's Carly. It's Sunday night.

Talking to Alan Miller again today. He remains very nervous about Deutsche Bank and Northern Trust, given what he's hearing and what he's seeing.

And so the suggestion is that you call the guy at Deutsche Bank again first thing Monday morning. And if you don't get the right answer from him, then you and I need to demand a conference call, an audience, etc., to make sure that we get them in the right place. So, Alan is feeling like you need a definite answer from the vice chairman, and if it's the wrong one, we have to swing into action.

On Northern Trust, we've seen a piece of their votes move against us, and we're nervous. We're getting information from some of our arbs - you may remember the guys at Citadel who have been very helpful - they think they're having a meeting on Monday potentially to change their vote.

So, again, we'll probably have to get on the phone first thing Monday morning. So, if you would take Deutsche Bank, I'll take Northern Trust, get on the phone and see what we can get, but we may have to do something extraordinary for those two to bring 'em over the line here.

OK? Thanks! Hope you had a great weekend and I'll talk to you tomorrow. Bye.

(jm)