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Hausdurchsuchungen bei SER Systems

12.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Staatsanwaltschaft Koblenz und das Landeskriminalamt Rheinland Pfalz haben gestern Geschäftsräume der SER Systems AG und mehrere private Wohnungen durchsucht. Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue und verspäteter Insolvenzantragstellung, das aufgrund einer Strafanzeige der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) eingeleitet wurde.

Nach Angaben des leitenden Oberstaatsanwalts Erich Jung wurde bei den Durchsuchungen in Rheinland-Pfalz, Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg “umfangreiches Beweismaterial sichergestellt”. Nach dem in der Strafanzeige dargestellten Sachverhalt bestehe ferner der Verdacht, dass die Verantwortlichen der Firmengruppe Betriebsvermögen zu Preisen verkauft haben, die “weit unter dem tatsächlichen Wert” liegen, so die Ermittler.

Im Zusammenhang mit der heftig umstrittenen Veräußerung des US-Geschäfts und weiterer Vermögensteile hatte die SdK Strafanzeige gegen insgesamt 14 amtierende und ehemaliger SER-Manager erstattet. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Untreue, Insolvenzverschleppung und betrügerischen Bankrott. Beschuldigt werden neben dem Firmengründer und ehemaligen Vorstandschef Gert Reinhardt auch dessen Nachfolger Kurt-Werner Sikora, der ehemalige Finanzvorstand Carl Mergele sowie der Aufsichtsratsvorsitzende der SER Systems AG, Roland Paule, ferner die beiden Aufsichtsratsmitglieder Helmut Kröll und Hans-Jürgen Heiser.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Keiner der derzeitigen SER-Manager habe zu irgendeinem Zeitpunkt Vermögenswerte von der SER Systems AG erworben. Die Formulierung bezieht sich damit nicht auf Reinhardt, der nach einem Aufsichtsratsbeschluss vom 28. Juni aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Am 4. Juli hat SER Systems Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Neuwied gestellt. (wh)