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Hat L&H seinen Wirtschaftsprüfer geleimt?

19.12.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beschuldigt ehemalige Führungskräfte des vor der Pleite stehenden Softwarekonzerns Lernout & Hauspie (L&H) in einem Brief an Chairman Roel Pieper der Verschwörung. Sie sollen Informationen "versteckt und gefälscht", Betriebsergebnisse aufgebläht und den Aktienkurs in ihrem eigenen Interesse manipuliert haben. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf interne Firmenkreise. Einige Beobachter vermuten, dass hinter dem Brief von L&Hs Wirtschaftsprüfern eigennützige Motive stecken. Möglich wäre, dass KPMG sich selbst als von L&H betrogen darstellen möchte, um sich so gegen entwaige Vorwürfe zu verteidigen. Die Wirtschaftsprüfer hatten vor kurzem selbst ihre Audit-Berichte zu den Bilanzen des Spracherkennungsspezialisten für die

vergangenen zweieinhalb Jahre in Frage gestellt (Computerwoche online berichtete).

Eine andere, interne Untersuchung, die von L&H bei zwei Rechtsanwaltskanzleien in den USA und Belgien sowie den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in Auftrag gegeben wurde, förderte zutage, dass 277 Millionen Dollar des Umsatzes in den vergangenen zweieinhalb Jahren falsch ausgewiesen wurden. Es handelt sich hier um ein Drittel des Unternehmenseinkommens in diesem Zeitraum und um eine viel höhere Summe, als zunächst vermutet. L&H steht aufgrund fehlerhafter Bilanzen und der vermuteten Veruntreuung von über 100 Millionen Dollar vor dem Konkurs.