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Google vergattert Konferenzteilnehmer zum Stillschweigen

22.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Google plant nach Berichten US-amerikanischer Medien ein Forum unter dem Titel "Zeitgeist 05: The Google Partner Forum". Es findet vom 25. bis 27. Oktober in Googles Firmensitz in Mountain View, Kalifornien, statt. Bei dem Forum handelt es sich um die erste Veranstaltung, die Google für seine Kunden abhält. Zu dieser sind offenbar auch Vertreter hochrangiger US-Medien wie der "New York Times", von "Atlantic Monthly" und vom "New Yorker" eingeladen. Das wäre alles keine besondere Nachricht, wenn Google nicht sämtliche Forumsteilnehmer zum absoluten Stillschweigen über die Konferenzinhalte verpflichtet hätte.

Dieses öffentlichkeitshermetische Verhalten gewinnt besondere Brisanz vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Google vor kurzem schon einmal in sehr erwähnenswerter Weise dargetan hat, was es unter Pressefreiheit versteht: Eine Reporterin von Cnet, Elinor Mills, hatte in einem Artikel vom 14. Juli 2005 dargestellt, dass Googles Suchmaschine sehr gut dazu benutzt werden kann, über Menschen ein Profil zu erstellen. Zum Beleg hatte Mills den Namen des Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt im Suchfeld der Google-Suchmaschine eingegeben und sich daraufhin Details wie Höhe seines Gehalts, Hobbys, Nachbarn und Empfänger von Parteispenden eruiert. Diese Recherche warf natürlich die Frage auf, inwieweit effektive Suchmaschinen wie die der Schmidt-Company nicht den Schutz der Privatsphäre unterhöhlen. Google reagierte auf den Artikel von Cnet wenig humorvoll und verkündete, ein Jahr lang Cnet-Journalisten keine Informationen mehr zu geben und keine Interviews zu gewähren.

Cnet zitiert jetzt den US-amerikanischen Blog-Betreiber Danny Sullivan, der über die Veranstaltung auf seinem Blog "Search Engine Watch Blog" nähere Informationen verbreitet. So zitiert Sullivan aus der Frage-und-Antwort-Sektion, die Google für die Forumsveranstaltung in Netz gestellt hat: "Alle Reden und Diskussionen des Zeitgeistforums sind off the records (dürfen also nicht veröffentlicht werden, Anm.d.Red.). Um sicherzustellen, dass die Redner und Zuhörer offen diskutieren können, sind Presseveröffentlichungen nicht gestattet."

Zu den Sprechern auf dem Forum gehören unter anderem die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page, Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt, der Yahoo-Manager Terry Semel, der Senior Vice President von Microsoft, Yusuf Mehdi, und der Chief Executive Officer (CEO) von Interactive, Barry Diller. (jm)