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Gewinnwarnung von CA zieht Nasdaq herunter

06.07.2000
Auch BMC und Entrust nicht im Soll

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einen Kursrutsch um 42 Prozent von 51 auf 29 Dollar musste gestern Computer Associates International (CA) verkraften, nachdem die Softwareschmiede mitteilte, der angepeilte Gewinn im ersten Fiskalquartal werde um 80 Prozent und der Umsatz um 25 Prozent verfehlt. Die Marktkapitalisierung des Software-Gemischtwarenladens fiel von über 30 Milliarden auf nur noch knapp 18 Milliarden Dollar. President Sanjay Kumar erklärte, sein Unternehmen erwarte nun einen Gewinn von elf bis 16 Cent je Aktie - ursprünglich waren 55 Cent anvisiert worden. Der Umsatz werde sich zwischen 1,25 und 1,3 Milliarden Dollar einpendeln und damit deutlich unter den erwarteten 1,6 Milliarden Dollar bleiben. Bis gestern morgen um elf Uhr hatten angesichts der schlechten Nachrichten bereits sechs namhafte Investment-Banken ihr Rating nach unten korrigiert.

Um 3,4 Milliarden Dollar fiel der Börsenwert von BMC Software, nachdem die Company Schwächen im Mainframe-Geschäft gestand und ihr Gewinnziel für das erste Finanzquartal auf 18 bis 21 Cent je Aktie nach unten korrigierte. BMC hatte im Vorjahr 42 Cent je Anteil erwirtschaftet und sollte nach Einschätzung der Wallstreet jetzt 46 Cent je Aktie einfahren. Der Aktienkurs fiel angesichts der schlechten Nachricht von 35 auf 21 Dollar.

Um 53 Prozent ging der Kurs des Security-Spezialisten Entrust Technologies gen Süden. Verantwortlich machte CEO John Ryan den unerwartet schleppenden Verkauf von PKI-Systemerweiterungen (Public Key Infrastructure), die für das abgelaufene zweite Quartal fest einkalkuliert waren. Statt des von Analysten erwarteten Gewinns von acht Cent je Aktie beläuft sich der Profit nun voraussichtlich nur auf zwei Cent je Anteil. Die Aktien von Sicherheitsspezialisten wie Checkpoint, Verisign oder Axent fielen angesichts der schlechten Nachricht um Werte zwischen vier und zehn Prozent.

Die jüngsten Gewinnwarnungen schließen sich an eine Reihe düsterer Prognosen an, die in den vergangene Tagen und Wochen geäußert wurden. So erwarten Unisys, EDS, Xerox, Compaq, CSC sowie Informix jeweils schwache Zahlen. Für schlechte Stimmung sorgte auch der prominente Marktstratege Barry Hyman von Ehrenkrantz, King, Nussbaum, der dem zuletzt hoch gehandelten Markt für Halbleiter ein böses Erwachen prophezeite. Auch die Investment-Bank Salomon Smith Barney hat ihre Einschätzung des Semiconductor-Business nach unten korrigiert. Die Hiobsbotschaften gingen an der gesamten IT-Branche nicht spurlos vorbei. Der Nasdaq-Index fiel gestern um 3,23 Prozent und wurde dabei nicht nur von CA und BMC, sondern auch von den Branchenschwergewichten IBM und Oracle in Mitleidenschaft gezogen. IBM verlor fünf Dollar, weil das Mainframe-Geschäft angesichts der Entwicklung bei CA und BMC in keinem

guten Zustand zu sein scheint. Zwar bringen die Dinos dem Konzern ohnehin "nur" noch Einnahmen von rund vier Milliarden Dollar jährlich ein, doch IBM ist beim operativen Gewinn stark auf Erträge aus dem Geschäft mit Produkten rund um den Großrechner angewiesen. Auch für Oracle, in den letzten Jahren eindeutig einer der Börsenlieblinge, scheint die Luft nun dünner zu werden. Die Kündigung des zweiten Mannes, Chief Operating Officer (COO) Ray Lane, macht die Anleger misstrauisch. Gestern verlor die Aktie knapp zehn Prozent ihres Wertes, weil der ausscheidende Lane als integrer Manager mit guten Kontakten zu wichtigen Kunden galt. Unternehmenschef Larry Ellison, der den COO-Job bis auf weiteres mit erledigen will, gilt Analysten und Marktbeobachtern dagegen als weniger vertrauenswürdig. Sie befürchten, Ellison könne ähnlich wie in den 90er Jahren einen kompromisslos

profitorientierten Kurs steuern und damit die Kunden verärgern.