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Getronics restrukturiert - zu Lasten der Anleger

10.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der niederländische IT-Dienstleister Getronics hat heute einen Restrukturierungsplan vorgelegt, mit dem das Unternehmen seine Schuldenlast reduzieren und versuchen will, sein langfristiges Überleben zu sichern. Leidtragende dabei sind die Aktionäre. Getronics wird den Inhabern seiner Wandelanleihen - diese sind im Wert von mehr als 500 Millionen Euro in zwei Tranchen im Umlauf, die 2004 und 2005 fällig werden - anbieten, die Papiere gegen neue Aktien, Bares und eine kleinere neue Anleihe einzutauschen. Der Plan soll umgesetzt werden, wenn auf diese Weise wenigstens 57,5 Prozent der alten Schuldverschreibungen aufgelöst werden.

Im Zuge der Aktion würden insgesamt 545 Millionen neue Aktien im Gesamtwert von 327 Millionen Euro (plus 142 Millionen Euro in bar und neue Anleihen für 100 Millionen Euro) ausgegeben, was den Kurs der bisherigen Anteile erheblich verwässert. Zurzeit sind 409 Millionen Getronic-Aktien in Umlauf. Nach dem Debt-for-Equity-Tausch würde das Unternehmen zu 57 Prozent den Bondholdern gehören.

Finanzchef Jan Docter sorgt sich weniger darum, dass die Emission den Aktienkurs des Unternehmens stärker unter Druck setzt. "Ich denke, die Dilutierung ist im Aktienpreis bereits enthalten", so der CFO (Chief Financial Officer). Der Getronics-Kurs gab im Amsterdamer Handel trotzdem bis zum Mittag um knappp 20 Prozent auf 49 Cent nach. Seit letztem Jahr hat die Firma mehr als 85 Prozent ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt.

Getronics geriet seit 1999, als das Unternehmen den größeren US-Konkurrenten Wang Global übernahm, zusehends in finanzielle Schieflage. Im ersten Halbjahr 2002 erwirtschafteten die Niederländer aus 1,8 Milliarden Dollar Umsatz einen Nettogewinn von vier Millionen Euro und 60 Millionen Euro operativen Profit. Für das gesamte Geschäftsjahr gilt weiterhin die Prognose von 110 Millionen Euro EBITA-Profit (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen); die Goodwill-Abschreibungen sollen allerdings von geplanten 275 auf jetzt 400 Millionen Euro steigen. (tc)