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Gartner will mit TCO-Mythen aufräumen

12.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Schaut man sich den Vortrag von Bill Kirwin bei der Gartner-Veranstaltung IT Asset Management and TCO Summit, dann fallen einem unweigerlich die Zauberlehrling-Zeilen "Die Geister, die ich rief, die werd' ich nun nicht los" ein: Kirwin, der als geistiger Vater der Total Cost of Ownership gilt, proklamiert, das Konzept habe mit Kostensenkung nichts zu tun. "Bei TCO geht es in Wahrheit um Prozessverbesserung und Best Practices, die in geringeren Kosten und besseren Service-Levels resultieren", sagte der Analyst in seiner Keynote. TCO sei ein Management- und kein Technikthema. "Sie können nicht einfach Technik kaufen und Ihre Kosten senken."

Es gebe rund um das Thema TCO - Gartner selbst veröffentlich seit einige Jahren keine TCO-Zahlen mehr - außerdem eine Reihe von Mythen, die ausgeräumt gehörten, so Kirwin. Dazu zählten die Vorstellungen, es gehe bei der Methode zuvorderst um Technologie, Kunden sollten sich anstrengen, Gartners TCO-Zahlen zu erreichen, die Plattform mit den geringsten TCO-Kosten sei automatisch die beste und schließlich "weiche" Kosten zählten nicht. "Bei TCO geht es um Ihre Zahlen und die Kostendynamik in Ihrer Organisation", so Kirwin weiter, "Firmen sind wie Schneeflocken - keine zwei sind gleich."

Firmen machten häufig den Fehler, die Hard- und Softwareplattformen mit den geringsten TCO anzuschaffen. Stattdessen sollten IT-Verantwortliche fragen, ob auf einer Plattform die vorhandenen Anwendungen laufen, ob es im Haus die nötigen Kenntnisse für Entwicklung und Wartung dieser Plattform gibt und ob ausreichend Rechenleistung für den Betrieb vorhanden ist. Die Soft Skills dürfe man ebenfalls nicht vernachlässigen. Beispielsweise gebe es "auf jeden Support-Mitarbeiter in den Fachabteilungen drei oder vier End-User, die beim Support helfen", und solche und ähnliche Kosten müsse man in TCO-Modellen berücksichtigen.

Gartner schätzt inzwischen, dass indirekte Kosten bis zu 60 Prozent der gesamten Ausgaben eines Unternehmens für Informationstechnik ausmachen. Das laufe gewöhnlich auf 4000 bis 6000 Dollar pro Nutzer und Jahr hinaus, so Kirwin. (tc)