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Gartner beklagt Versäumnisse bei der Umsetzung von BI-Lösungen

01.02.2005
Neben Kritik am Status Quo gab Gartner-Experte Howard Desner im Gespräch mit der CW Tipps, wie Anwender BI-Projekte erfolgreich aufsetzen können.

LONDON (COMPUTERWOCHE) - Die meisten Lösungen für Business Intelligence (BI) sind bis heute nur auf Abteilungsebene im Einsatz. Sie verfügen über keine angemessene Architektur, um die immer mehr geforderten unternehmensweiten Systeme zur Entscheidungsunterstützung aufzubauen. "Wenn Anwender sagen, dass sie ein Data Warehouse haben, ist das in Wirklichkeit oft nur ein lokales Data Mart", erklärte BI-Spezialist und Vice President Research bei Gartner Howard Dresner gegenüber der COMPUTERWOCHE.

Schon lange versuche man, Unternehmen die Vorteile einer unternehmensweiten und anwendungsneutralen Sicht auf und Auswertung ihrer Daten näher zu bringen, doch die meisten schreckten vor Investitionen in eine entsprechende BI-Infrastruktur zurück oder hätten keine Zeit. Auch glaubten manche Anwender, mit Ansätzen für Enterprise Information Integration (EII) und "magischen" Datenkonnektoren direkt auf die Quellsysteme zugreifen zu können, ohne zunächst aufwändig eine zusätzliche Datenhaltung in Form eines Data Warehouse aufbauen zu müssen.

"Sie glauben, auf diese Weise Themen wie das Duplizieren von Datensätzen, ETL und Datenqualität umgehen zu können", so Dresner. EII-Technik sollte aber aus Sicht des Experten vor allem dazu dienen, eine Data-Warehouse-Umgebung für Anwendungen zu erweitern, die zusätzlich Echtzeitinformationen brauchen. Sie könne aber keine BI-Infrastruktur ersetzen. Laut Dresner ist die Lage daher ernst: Die allermeisten Unternehmen arbeiteten bei ihren BI-Initiativen planlos und ohne interne Standards. "Viele müssen letztlich neu anfangen."

Der Gartner-Mann rät dazu, künftig einen pragmatischen Ansatz beim Aufbau von BI-Lösungen zu verfolgen. Zunächst sei ein Plan zu entwickeln, wie man das Data Warehouse aufbauen wolle. Dabei seien Namenskonventionen ebenso zu klären wie Geschäftsregeln. Dann sollten Anwender ein Data Mart aufbauen, das diese Vorgaben nutze, und anschließend mit dem Aufbau des Data Warehouse starten, das wiederum die Grundlage für alle weiteren Data Marts bilde.

Um die Arbeiten zu organisieren, empfiehlt Dresner ein "Business Intelligence Competence Center" als strategische Planungsstelle, die alle Vorgaben erfasst, überwacht und das Business mit einbezieht. Unabhängig von der IT könne dort zunächst eine konsistente Strategie formuliert und ausgearbeitet werden. "Allerdings darf es nicht Jahre dauern, bis sie Ergebnisse abwirft."

Trotz aller Kritik ist BI aber ein wichtiger Punkt auf der Agenda vieler Anwender. Dies zeigte sich auch auf dem europäischen Business Intelligence Summit von Gartner in London, zu dem sich laut Veranstalter mehr als 700 Unternehmensvertreter eingefunden haben - ein Rekord für Gartner, der nur von der jährlichen Hausmesse ITXpo übertroffen werde.

Laut Dresner hat eine aktuelle Umfrage ergeben, dass die BI-Budgets stark gestiegen seien und nicht mehr so eisern gespart werde. BI sei strategisch - was aber nicht bedeute, dass Aspekte wie genaue Planung und Total Cost of Ownership (TCO) nicht mehr von Bedeutung seien. Letztere lasse sich schon dadurch drastisch verbessern, wenn Unternehmen die Vielzahl der intern genutzten (und oft konkurrierenden) Tools reduzierten.

Aber auch die Anbieter von BI-Produkten müssten ihre Hausaufgaben machen, um eine wirklich leistungsfähige Infrastruktur stellen zu können. Zwar würden sie sie seit zehn Jahren damit, werben, dass ihre Produkte besser skalierten, doch sei dies bis heute nicht in ausreichendem Maße gegeben. "Natürlich können sie alles skalieren, indem sie immer mehr Hardware und Mitarbeiter einsetzen, doch dass kann ja wohl nicht das Ziel sein", sagte Dresner. Insgesamt jedoch machten die Produkte Fortschritte. Verbesserungen zeigten sich beispielsweise in punkto Caching, Mulithreaded-Architekturen und beim Einsatz leistungsfähiger Applikations-Server.

Die neuesten Versionen zahlreicher BI-Produkte sind aus Sicht von Dresner erheblich besser als ihre Vorgänger, besser integriert und benutzerfreundlicher. Kunden könnten jetzt ein Portfolio kaufen, das viel mehr Benutzergruppen bediene als zuvor. BI-Suites seien indes noch im Entstehen. Kunden sollten die Möglichkeit haben, alles Nötige von einem Anbieter zu beziehen, fordert der Analyst. Dazu müssten die Produkte aber eine durchgängige und gemeinsame Infrastruktur haben.

Als jüngste Beispiele, wo dies weitgehend geschafft sei, nannte Dresner SAS Institute mit "SAS 9", Cognos mit der kommenden BI-Suite "Series 8", Information Builders mit "Webfocus" und seiner Enterprise-Business-Intelligence-Suite, Microstrategy mit "Microstrategy 8" sowie Business Objects mit "XI", auch wenn hier die Arbeiten noch weitergingen: "Für Anwender ist es grundsätzlich kein Problem mehr, mit der Software eines Herstellers Ad-hoc-Analysen, Online Analytical Processing oder operatives Reporting zu machen".

Für die Zukunft gehe es unter anderem darum, dass Unternehmen mehr über ihre Datenbestände herausfinden, um mehr wertvolle Informationen für BI zu gewinnen. "Bis heute ist erst ein kleiner Teil untersucht worden, weil das komplex und teuer ist." In der Praxis versuchten Anwender zunächst, die dringendsten Aufgaben abzudecken. Zudem haben laut Gartner bislang nur 25 Prozent aller potenziellen BI-Benutzer bei ihrer täglichen Arbeit tatsächlich Zugriff auf Unternehmensinformationen. Dresner: " Wir sind noch weit entfernt von einer 'Informationsdemokratie'." (as)