Welche Arbeitsform ist bei welcher Gelegenheit die richtige?

Freelancer oder Festangestellter?

27.11.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Arne Hosemann ist einer der beiden Gründer von expertlead. Vor der Gründung hat Arne Hosemann bei Bain & Company primär an digitalen Strategie- und Private Equity- Projekten in Europa gearbeitet.  
Neue Arbeitsmodelle bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten, Stellen zu besetzen. Die Frage, die HR-Manager umtreibt, ist: Wann ist welche Arbeitsform optimal?

Auch die größte IT-Abteilung kann nicht auf allen Fachgebieten bewandert sein. Es wird immer neue Technologien geben, mit denen die internen Mitarbeiter noch nicht oder nur eingeschränkt gearbeitet haben. Was aber, wenn eine dieser neuen Technologien die Effektivste ist, um ein aktuelles Projekt erfolgreich zu bearbeiten?

Digitalisierung eröffnet Mitarbeitern neue Arbeitsmodelle und eine Vielzahl an Möglichkeiten. Freelancer müssen für das Projekt als Teil des Teams gesehen werden.
Digitalisierung eröffnet Mitarbeitern neue Arbeitsmodelle und eine Vielzahl an Möglichkeiten. Freelancer müssen für das Projekt als Teil des Teams gesehen werden.
Foto: JKstock - shutterstock.com

Gerade wenn die neue Aufgabe Projektcharakter hat, kann ein Freelancer die richtige Lösung sein, um Fachwissen von extern in das Unternehmen zu tragen. Hier nun einige Argumente, die für den EInsatz von Freelancern sprechen:

1. Externes Know-how

Über das rein Fachliche hinaus hilft ein erfahrener Blick von außen, um eingefahrene, interne Prozesse zu überprüfen - oft haben die Freelancer schon für eine Vielzahl vergleichbarer Unternehmen gearbeitet, und können so vergleichen, was anderswo besser oder auch schlechter funktioniert.

2. Unbesetzte Stellen

Firmen in Deutschland klagen zunehmend über den Fachkräftemangel, insbesondere in der IT. Stellen bleiben oft über Monate unbesetzt. Zum einen liegt das an einer exponentiell steigenden Nachfrage nach guten IT-Fachkräften - zum anderen daran, dass sich viele IT-Fachkräfte nicht mehr langfristig an einen einzigen Arbeitgeber binden möchten. Zu groß ist die Verlockung als Selbstständiger Projekte selbst wählen zu können und Herr der eigenen Arbeitszeiten und des Einsatzortes zu sein. Durch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hat sich zudem das Risiko des Schritts in die Selbstständigkeit im Vergleich zu früheren Jahren erheblich verringert.

Unternehmen müssen sich auf diesen Paradigmenwechsel einstellen. Bleiben Stellen über Monate unbesetzt, hilft kein weiteres Warten - sondern nur ein Umdenken. Es muss ein Set-up geschaffen werden, in welchem mit Freelancern an den entsprechenden Themen gearbeitet werden kann - langes Warten auf den richtigen Vollzeitbewerber ist sehr kostspielig. Stattdessen kann die Zusammenarbeit mit Freelancern dafür genutzt werden, die Herausforderungen frühzeitig anzugehen - während die langwierige Suche nach interner Unterstützung parallel vorangetrieben werden kann.

3. Auslastungsspitzen

Zu Beginn eines Jahres geht es für HR Manager darum festzulegen, wie viele Mitarbeiter im Jahresverlauf gebraucht werden, um die Unternehmensziele zu erreichen. Das ist keine leichte Übung - und weil Mitarbeiter teuer sind, wird relativ knapp an der Auslastungsgrenze geplant. Realisiert sich im Jahresverlauf eine höhere Nachfrage als gedacht, ist das zwar erfreulich - für Mitarbeiter kann dies aber Überstunden oder gar Überlastung bedeuten. Auch hier kann die flexible Zusammenarbeit mit einem Pool an Freelancern helfen, um bestimmte Projekte rechtzeitig in hoher Qualität abliefern zu können ohne die eigenen Mitarbeiter zu überlasten.

4. Unerwartete Ausfälle

Der Traum eines jeden Personalers und Projektleiters ist ein bereits eingespieltes, internes Team - Abläufe, Arbeitsweisen und Erwartungshaltungen sind im Team bestens bekannt. Umso schwerwiegender kann ein kurzfristiger Ausfall durch Krankheit wiegen. Bei längerfristigen Ausfällen ist der Einsatz eines Freelancers oft das richtige Mittel: Das Team wird so nicht überlastet und das Arbeitsverhältnis mit dem Freelancer kann auch kurzfristig wieder beendet werden, sobald der ausgefallene Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurückkehren kann.

Was spricht nun für die Festanstellung von neuen Mitarbeitern?

1. Strategischer Wissensaufbau

Auch wenn wir im Rahmen von New Work immer mehr Aufgaben als Projekte denken, gibt es weiterhin Aufgaben in Unternehmen, die dauerhaft betreut, über lange Zeit wachsen und ineinandergreifen müssen. Ebenso müssen die Ergebnisse verschiedener Projekte langfristig im Unternehmen verbleiben. Hierfür lohnt es sich in die oft aufwendige Personalsuche und längere Einarbeitungszeit für Festangestellte zu investieren - um so den eigenen Kern des Unternehmens kontinuierlich aufzubauen und zu stärken.

2. Strategische Kontinuität

Entscheidungen in der IT - genau wie in anderen Unternehmensbereichen - können die Entwicklung der nächsten Jahre beeinflussen. Auch wenn das Unternehmen dabei offen für Neuentwicklungen bleiben muss, ist eine gewisse Kontinuität, zum Beispiel bei der Auswahl des IT-Personals, ebenso wichtig. Diese Kontinuität erlaubt es einem Unternehmen, eine langfristige Personalstrategie aufzusetzen - und sich entsprechend kontinuierlich ein internes Team aufzubauen, das dem Unternehmen innerhalb der gewählten IT-Strategie weiterhelfen kann.

3. Generalist statt Spezialist

In der IT-Abteilung eines Unternehmens fallen viele Aufgaben an - für manche davon braucht es technische Spezialisten, für andere eher Generalisten und IT-Manager. Gerade für Themen wie das Festlegen wichtiger Entscheidungen, Mitarbeiterführung und ebenso bei dem Aufbau ganzer Abteilungen ist es sinnvoll, sich auf langfristig im Unternehmen verbleibende Mitarbeiter verlassen zu können. Hier geht es um Entscheidungen, die Firmen auf Jahre beeinflussen können. Diese Entscheidungen sollten Firmen nicht (ausschließlich) Externen überlassen, die diese selbst nicht über Jahre mittragen. Gleichwohl ist der Input der externen Spezialisten auf dem Weg zu einer solchen Entscheidung sehr wertvoll.