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FJH weist Vorwurf der kreativen Buchführung zurück

11.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die auf Software für den Finanzsektor spezialisierte FJH AG hat Berichte über angebliche Bilanzmanipulationen entschieden zurückgewiesen. Sie hätten zwar erfahren, dass der Staatsanwaltschaft München eine anonyme Strafanzeige gegen die FJH-Vorstände vorliege, teilte der Vorstand mit. Der Inhalt der Anzeige ist ihnen bislang jedoch nicht bekannt. Das Management sei unverändert der Auffassung, dass es keinerlei begründeten Anlass für derartige Vorwürfe gibt.

Auslöser für die Ermittlungen war laut "Financial Times Deutschland" eine anonyme Anzeige. In dieser wird die Finanzsoftwareschmiede beschuldigt, sie habe - mit Rückendeckung ihres Wirtschaftsprüfers - interne Projekte als echte Umsätze verbucht. Ohne die Manipulation bei Umsatz- und Gewinn würde das börsennotierte Unternehmen schon seit Jahren rote Zahlen schreiben, so die Behauptung. Statt dessen meldet die vor kurzem mit der Heubeck zur FJH AG fusionierte FJA AG gegen den allgemeinen Trend seit ihrem Börsengang im Jahr 1999 stetig steigende Gewinne.

Den Vorwürfen zufolge handelte es sich bei zahlreichen der verbuchten Geschäfte lediglich um Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die angestellten Programmierer, berichtet die "FTD": "Wo Kosten durch Leerzeiten oder zumindest Investitionskosten entstehen würden, entstehen durch die fingierten Aufträge Umsätze und Erträge."

Tatsächlich war FJH bereits früher in die Kritik geraten, insbesondere aufgrund des ständig steigenden Postens an unfakturierten Forderungen, also Ansprüche aus erbrachten Leistungen, für die jedoch noch keine Rechnung an die Kunden gestellt wurde. Im aktuellen Neunmonatszeitraum beläuft sich die Summe der unfakturierten Forderungen auf 73 Millionen Euro, verglichen mit 54 Millionen Euro zu Jahresbeginn. Die dabei angewandete Bewertung entsprechend dem Fertigstellungsgrad (PoC - Percentage of Completion) ist nach IAS (International Accounting Standard) und US-Gaap grundsätzlich zulässig, aber nicht unumstritten. Die Computerwoche hatte bereits im September anlässlich der Besprechung der FJH-Aktie im Heft 39/03 auf diesen vermeintlichen Sprengsatz in der Bilanz des Unternehmens hingewiesen (Computerwoche berichtete)

Wegen der Ermittlungen brach der Kurs der FJH-Aktie am vergangenen Freitag um rund 32 Prozent ein. Am gestrigen Montag erholten sich die Titel jedoch wieder etwas. (mb)