Bericht

Facebook kann Whatsapp-Chats mitlesen

08.09.2021
Von 
Panagiotis Kolokythas arbeitet seit Juni 2000 für pcwelt.de. Seine Leidenschaft gilt IT-News, die er möglichst schnell und gründlich recherchiert an die Leser weitergeben möchte. Er hat den Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten Tech-Bereichen, entsprechend vielfältig ist das Themenspektrum seiner Artikel: Windows, Soft- und Freeware, Hardware, Smartphones, soziale Netzwerke, Web-Technologien, Smart Home, Gadgets, Drohnen… Er steht regelmäßig für PCWELT.tv vor der Kamera und hat ein eigenes wöchentliches IT-News-Videoformat: Tech-Up Weekly.
Facebook ist laut einem Bericht sehr wohl in der Lage die Whatsapp-Nachrichten seiner Nutzer zu lesen. Und zwar so.

Facebook ist in der Lage, die Nachrichten von Whatsapp-Nutzern zu lesen. Wie genau das funktioniert, erläutert die investigative Non-Profit-News-Rechercheseite ProRepublica in dem am Dienstagabend veröffentlichten Bericht "How Facebook Undermines Privacy Protections for Its 2 Billion WhatsApp Users", übersetzt also in etwa "Wie Facebook den Datenschutz seiner 2 Milliarden WhatsApp-Nutzer untergräbt".

Wie Whatsapp doch die Nachrichten der Nutzer lesen kann...
Wie Whatsapp doch die Nachrichten der Nutzer lesen kann...
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Facebook setzt auch bei Whatsapp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein, durch die jegliche Kommunikation zwischen den Nutzern verschlüsselt erfolgt. Die Daten werden lokal auf dem Gerät des Nutzers verschlüsselt, dann übertragen und erst auf dem Zielgerät wieder entschlüsselt. Auf dem Weg zwischen den Nutzern können die Daten nicht von einem Dritten eingesehen werden.

Dennoch sei Facebook dazu in der Lage, deckt der Bericht auf. Demnach beschäftige Whatsapp mehr als 1.000 Vertragsarbeiter im US-Bundesstaat Texas, Dublin und Singapur, die befähigt seien, die Inhalte der Nutzer zu untersuchen. So heißt es in dem Bericht: "Diese stundenweise beschäftigten Mitarbeiter sitzen an Computern in nach Arbeitsaufträgen geordneten Gruppen und verwenden eine spezielle Facebook-Software, um Ströme privater Nachrichten, Bilder und Videos zu sichten, die von WhatsApp-Nutzern als unangemessen gemeldet und dann von den KI-Systemen des Unternehmens überprüft wurden."

Whatsapp-Mitarbeiter erhalten Zugriff auf viele entschlüsselte Nachrichten

Konkret werten diese Vertragsarbeiter also Inhalte aus, die Whatsapp-Nutzer über den "Report"-Button melden. Eine Funktion, mit der die Nutzer Whatsapp auf mutmaßliche Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform hinweisen können. Dabei werde aber nicht nur die beanstandete Nachricht entschlüsselt und an Whatsapp übermittelt, sondern auch die vier vorherigen Nachrichten des Absenders, inklusive aller Bilder und Videos. Automatisierte Systeme analysieren diese Inhalte dann und leiten sie an die Vertragsarbeiter weiter.

Die KI gleiche die unverschlüsselten Daten ab und vergleiche sie mit verdächtigen Kontoinformationen und Nachrichtenmustern. Die Daten, die Whatsapp dabei über den Nutzer erhalte, seien umfangreich. Dazu gehören etwa

  • Name

  • Profilfoto

  • Statusnachricht

  • Akkustand des Smartphones

  • Sprache und Zeitzone

  • Handy-ID

  • IP-Adresse

  • Stärke des Funksignals

  • Betriebssystem des Smartphones

  • Liste aller Geräte des Nutzers

  • Alle Facebook- und Instagram-Konten des Nutzers

  • Letzte Nutzung der App

  • Frühere Verstoße

Die Prüfer hätten dann drei Möglichkeiten: Sie können nichts tun, den Nutzer auf "beobachten" stellen, oder ihn sperren. Dabei müssten die Prüfer "subjektive, sensible und subtile Urteile" fällen, heißt es in dem Bericht. Geprüft werde dabei eine breite Palette von möglichen Verstößen, etwa "Spam", "politische Hassrede", "Desinformation", Terrorismus" oder "Kinderpornographie".

Gegenüber ProRepublica hat dies auch ein Whatsapp-Sprecher bestätigt. Ihm zufolge sollen diese Teams die "schlimmsten Missbraucher" identifizieren und entfernen. Der Sprecher betonte aber auch, dass es sich nicht um eine "Moderation der Inhalte" handle, wie es bei den nicht verschlüsselten Inhalten auf Facebook und Instagram geschehe, wo Inhalte ebenfalls überprüft werden und wozu Facebook jährlich Transparenzberichte veröffentlicht.

Auch gegenüber Businessinsider bestätigte Whatsapp die Existenz dieser Sicherheitsteams. Man habe das System so aufgebaut, dass Daten nur begrenzt gesammelt werden. Alles diene dem Schutz vor Spam und anderen Bedrohungen und biete eine Möglichkeit, die Nutzer zu sperren, die Whatsapp missbrauchen. Zusätzlich wurde betont, wie wichtig die Meldefunktion in Whatsapp sei, "um schlimmsten Missbrauch im Internet zu verhindern."

Bericht: Whatsapp teilt Nutzerdaten mit Behörden

In dem Bericht von ProRepublica wird Facebook auch vorgeworfen, seit der Übernahme von Whatsapp das Ausmaß der gesammelten Nutzerdaten erhöht zu haben und diese auch mit Strafverfolgungsbehörden zu teilen. So habe ProRepublica etwa von einem Fall erfahren, bei dem Whatsapp die Nutzerdaten eines Mitarbeiters des US-Finanzministeriums an die Behörden weitergegeben habe, wodurch Staatsanwälte dann gegen diesen Mitarbeiter ein Verfahren einleiten konnten. Der betreffende Mitarbeiter des US-Finanzministeriums habe Dokumente an ein Nachrichtenportal gesendet, in dem aufgedeckt wurde, wie schmutziges Geld durch die Banken fließe. (PC-Welt)