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EMI will Songs ohne DRM verkaufen

02.04.2007
EMI wird Medienberichten zufolge heute ankündigen, dass es einen Großteil seines Katalogs künftig ohne Digital Rights Management (DRM, sprich Kopierschutz, verkaufen wird.

Diesen für die Musikindustrie revolutionären Schritt werden EMI-Chef Eric Nicoli und Apple-Chef Steve Jobs laut "Wall Street Journal" heute auf einer Pressekonferenz in London ankündigen. Neben iTunes könnten die DRM-freien EMI-Titel - die Musik der Beatles ist lauf Branchendienst "Cnet" nicht inbegriffen - aber auch bei anderen Online-Musikläden angeboten werden. Über das geplante Format (am wahrscheinlichsten wäre dann wohl MP3) ist noch nichts durchgesickert.

Anders als bei CDs, die zumeist keinen (effektiven) Kopierschutz aufweisen, hat die Musikindustrie als durch die Raubkopien-Orgie bei Napster und Konsorten "gebranntes Kind" beim legalen Internet-Handel von Beginn an auf Digitales Rechte-Management gesetzt. Mit der Folge, dass verkaufte Songs teils auch an bestimmte Abspielgeräte gekettet sind - bei Apples iTunes gekaufte Titel laufen nur auf den hauseigenen iPods, was Verbraucherschützer vor allem in Europa zunehmend kritisieren.

Apple-Chef Jobs hatte sich im Februar überraschend in einem offenen Brief an die Musikindustrie gewandt und gefordert, diese möge im Interesse der Verbraucher auf die Kopierschutz-Funktionen beim Online-Handel verzichten, die sich als ineffizient erwiesen habe - eben weil immer noch die meiste Musik auf CDs verkauft werde, die sich leicht rippen und über das Internet verbreiten ließen. Allerdings gehen die CD-Verkäufe stetig zurück, was wiederum die Plattenfirmen zwingt, ihre digitale Zukunft zu beschleunigen.

Die meisten großen Plattenfirmen sind bislang nicht bereit, beim Online-Handel auf DRM zu verzichten. EMI, hinter Universal Music und Sony BMG drittgrößter Anbieter weltweit, hatte laut "Wall Street Journal" aber schon selbst entsprechende Pläne in der Schublade. Diese seien bislang noch nicht umgesetzt worden, weil verschiedene iTunes-Wettbewerber nicht bereit gewesen seien, eine geforderte "Risikoversicherung" für den Schritt zu zahlen. Ob Apple in solche eventuellen Ausgleichszahlungen eingewilligt hat, ist nicht bekannt. (tc)