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EDS beendet Verhandlungen mit Procter & Gamble

02.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der IT-Dienstleister EDS und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) haben ihre Outsourcing-Verhandlungen abgebrochen. Der Hersteller von Kosmetik-, Reinigungs- und Nahrungsmitteln mit Sitz in Cincinnati, Ohio, will große Teile seiner IT-Funktionen und Geschäftsprozesse - darunter Personalabrechnung, Buchhaltung und Reiseabwicklung - in fremde Hände geben. Zu diesem Zweck hatte er offenbar bereits ernsthafte Gespräche mit dem in Plano, Texas, ansässigen Serviceriesen aufgenommen. Dem Vernehmen nach sollte der Vertrag über sieben bis zehn Jahre laufen und per annum einen Wert von einer Milliarde Dollar repräsentieren. EDS zufolge scheiterten die Gespräche unter anderem daran, dass P&G überzogene Vorstellungen vom Wert seiner Assets in die Waagschale geworfen habe.

Die Marktauguren warnen denn auch zunehmend vor den Risiken solcher Mammutkontrakte für die Anbieter: Hohen Anfangsinvestitionen stünden unsichere Einnahmen gegenüber. Im Fall EDS mutmaßen sie, der IT-Dienstleister habe kalte Füße bekommen, nachdem einer seiner größten Kunden, der Telekommunikations-Carrier Worldcom wegen unsauberer Bilanzierung in die Schlagzeiten geraten war (Computerwoche berichtete). Es gilt als wahrscheinlich, dass Worldcom seinen Teil der auf elf Jahre angelegten Vereinbarungen nicht erfüllen kann.

Darüber hinaus hat der Worldcom-Skandal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auch auf die Buchungspraxis von Dienstleistern wie EDS gelenkt. Einer Meldung des "Wall Street Journal Online" zufolge mussten die Texaner bereits einräumen, im vergangenen Monat möglicherweise 60 Millionen Dollar Worldcom-Umsatz verbucht zu haben, die noch nicht in Rechnung gestellt worden seien. Diese Praxis ist zwar nicht illegal, könnte aber missverständliche Finanzberichte und damit schwindendes Anlegervertrauen nach sich ziehen. Der Kurs des EDS-Papiers an der New Yorker Börse sank am Montag um 15 Prozent auf 31.68 Dollar. (qua)