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Ebay will nichts gegen Auktionen von Lidl-Bahntickets unternehmen

19.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Verkauf von Billig-Tickets der Deutschen Bahn hat am Donnerstag für einen wahren Ansturm auf die Filialen der Discounterkette Lidl gesorgt. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nach Angaben eines Bahnsprechers mehr als eine Million Fahrscheine verkauft. Die bundesweit 2600 Lidl-Niederlassungen meldeten schon am Mittag fast überall "ausverkauft". Viele Kunden mussten trotz langer Wartezeit enttäuscht wieder abziehen. Die Bahn äußerte sich zufrieden mit der Aktion. Von Verbraucherschützern kam dagegen Kritik.

Die verkauften Hefte mit je zwei Tickets für insgesamt 49,90 Euro gelten bis zum 3. Oktober für eine beliebig lange Reise innerhalb von Deutschland. Mit dem Angebot wollte sich die Bahn vor allem gegen die Konkurrenz der Billigflieger zur Wehr setzen. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nun so viele Karten verkauft wie sonst an mehreren Tagen: An einem normalen Tag sind rund 320.000 Reisende mit den Fernzügen der Bahn unterwegs.

Vor allem in Großstädten wie München, Frankfurt und Berlin gab es vor den Lidl-Filialen bereits am frühen Morgen die ersten Schlangen. Einige Geschäfte öffneten deshalb früher als 08.00 Uhr und richteten Zusatz-Kassen ein. Trotzdem gab es teilweise Schlangen von bis zu 100 Metern und erheblichen Unmut unter den Kunden. Die Fahrscheinhefte - maximal sechs Stück pro Kunde - waren dann vielerorts in weniger als einer Stunde vergriffen. Lidl-Geschäftsführer Andreas Franzke zeigte sich im ARD-Morgenmagazin von dem Ansturm "absolut überrascht".

"Die Leute wollten nur noch Bahnkarten, überhaupt keine Lebensmittel mehr", berichtete eine Verkäuferin in Berlin. Ein Großteil der Wartenden ging zunächst leer aus. In vielen Filialen konnten sie sich dann mit Namen und Adresse in Listen eintragen. Nach Auskunft der Kassiererinnen sollten sie auf jeden Fall noch Karten bekommen. Auf den versprochenen Anruf warteten viele aber vergebens. Mehrere Kunden klagten, dass sie auf ein "Lockvogel-Angebot" hereingefallen seien. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs richtet sich auf Beschwerden ein, weil zu wenig Tickets vorrätig waren.

Bahnsprecher Gunnar Meyer sagte der dpa, zunächst werde es keine weiteren Billig-Tickets beim Discounter geben. Die Bahn werde aber bereits im Juli "andere attraktive Sonderangebote" haben. "Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, dann ist das ja keine schlechte Sache." Die Kunden, die jetzt leer ausgegangen seien, sollten "nicht aufgeben".

Verbraucherschützer forderten den bundeseigenen Verkehrskonzern auf, auch am Schalter Billig-Fahrscheine anzubieten. "Die enorme Nachfrage zeigt, dass das normale Preissystem nicht in Ordnung ist", sagte der Bahn-Experte der Stiftung Warentest, Michael Koswig, der dpa. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte ebenfalls, mehr solche Billig-Tickets anzubieten. "Die Bahn hat schon günstige Angebote, aber im Tarifdschungel finden sich viele nicht mehr zurecht", sagte Sprecher Christian Fronczak.

Im Internet wurden am Donnerstag bereits mehrere hundert Billig-Tickets zum Weiterverkauf angeboten. Die Preise reichten am Vormittag bereits über 80 Euro. Das Internet-Auktionshaus eBay kündigte an, nichts gegen den Weiterverkauf zu unternehmen. Damit widersprach es Angaben der Bahn, wonach der Handel untersagt werden solle. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bahn ist der Weiterverkauf verboten. (dpa/tc)