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Durchsuchungen bei deutschen Verlagen

03.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beamte der Europäischen Kommission und des Bundeskartellamts haben gestern mehrere deutsche Verlage und Buchhändler wegen des Verdachts auf illegale Absprachen im Zusammenhang mit dem Lieferboykott gegen die österreichische Libro AG durchsucht. Von den Razzien waren Bertelsmann in München, der Aufbau-Verlag in Berlin, die Großhändler KNO und K&V in Stuttgart sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt betroffen. Auch die Libro-Zentrale in Wien haben die Ermittler der EU-Wettbewerbsbehörde durchkämmt.

Hintergrund der Aktion ist ein seit Monaten schwelender Streit zwischen deutschen Verlagen und der Buchkette Libro. Seit Anfang Juli vertreiben die Österreicher über ihren Online-Dienst Lion.cc Bücher, die in einigen Fällen bis zu 20 Prozent unter dem festgelegten Ladenpreis angeboten werden. Deutsche Verlage sehen in der Preisstrategie des Unternehmens einen Verstoß gegen die geltende Buchpreisbindung und weigern sich, Libro zu beliefern. In der vergangenen Woche hatte der österreichische Medienkonzern nach Gesprächen mit der Bertelsmann-Verlagsgruppe angekündigt, sich wieder an die Buchpreisbindung halten zu wollen. Der Aufbau-Verlag will trotzdem bis zum Ende des Rechtsstreits den Lieferstopp nicht aufheben.